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Zuletzt aktualisiert: 08.11.2010 um 10:18 UhrKommentare

"Was soll er machen, wenn er eine Levitation hat?"

Der katholische Querdenker Adolf Holl (80) spricht morgen an der Uni Klagenfurt über die Welt als Wunder und gibt Einblick in sein Buchprojekt über fliegende Priester.

Adolf Holl, Ex-Priester, Publizist und unermüdlicher Gottessucher: "Ich bin ausgesprochen wunderlich"

Foto © APA/Barbara GindlAdolf Holl, Ex-Priester, Publizist und unermüdlicher Gottessucher: "Ich bin ausgesprochen wunderlich"

Sie arbeiten gerade an einem Buch mit dem Titel: "Können Priester fliegen?" Können Sie uns kurz verraten, wie Sie zu dieser etwas abgehobenen Fragestellung gekommen sind?

ADOLF HOLL: Ich habe einmal in meinem Leben das Vergnügen gehabt, mit dem Herrn Kardinal Schönborn Mittagessen zu gehen. Er hat darauf bestanden anlässlich meines 75ers. Also bin ich zu ihm gegangen und so schnell konnte ich gar nicht schauen, haben wir über den Padre Pio getratscht. Wie zwei alte Pfarrer. Wir haben uns alle möglichen Geschichten über ihn erzählt. Damit fängt mein Buch an: Dass der Padre Pio vor 20 Diplomaten auf einmal einen halben Meter über dem Erdboden geschwebt ist. Und es sei ihm augenscheinlich peinlich gewesen. Aber was soll er machen, wenn er eine Levitation hat? So haben wir halt geplaudert und uns freundlichst verabschiedet. Meine Suspendierung und meine Entfernung aus Amt und Würden waren übrigens kein Gesprächsthema. Dank dem Padre Pio haben wir uns wunderbar verstanden.

Von Fan zu Fan also?

HOLL: Ja, und ich bin immer noch ein Fan des Padre Pio. Der hat so ein Gesicht, wo ich einfach nicht anders kann, als ihn liebenswürdig zu finden. Außerdem habe ich eine große Schwäche für Stigmatisierungen. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich meinen Physikprofessor nicht habe leiden können. Eine Stigmatisierung oder eine Wunderheilung in Lourdes, die passen nicht so recht in die Physikstunde hinein. Für mich als Theologe ist es jedenfalls spannend, dass die Gesetzmäßigkeiten der Welt gelegentlich einen Ausrutscher haben.

Würden Sie sich als wundergläubig bezeichnen?

HOLL: Oh ja. Ich bin ausgesprochen wundergläubig. Nur wenn die Wunder zu dick daher kommen, dann glaub ich's net.

Wundmale, die man einem Franz von Assisi oder dem Padre Pio nachsagt, würden Sie gerade noch durchgehen lassen?

HOLL: Das geht in Ordnung. Das kann passieren. Bei schweren psychosomatischen Traumata. Die Levitation des Padre Pio ist schon grenzwertig. Andererseits: Da waren 20 Zeugen dabei, Diplomaten noch dazu. Denen glaube ich das und sage: sehr interessant!

Was ist für Sie das größte aller Wunder?

HOLL: Das größte Wunder aller Wunder ist nicht die Liebe, wie es zum Beispiel der Hofmannsthal im Zusammenhang mit der "Ariadne auf Naxos" dem Richard Strauss geschrieben hat. Als Theologe sage ich lieber: Das Wunder aller Wunder ist die Menschwerdung Gottes und füge hinzu, in Erinnerung dessen, was ein befreundeter Physiker einmal zu mir gesagt hat: "Es gibt vielleicht 15 Personen auf der Welt, welche die Quantentheorie verstehen". Als Theologe sage ich: Es gibt vielleicht 15 Personen, die das Geheimnis der Menschwerdung verstehen.

Zählen Sie sich auch zu diesem erlauchten Kreis?

HOLL: Ich arbeite daran. Ich bin vielleicht auf dem Weg, es doch zu verstehen, bevor ich den Weg alles Irdischen gehe. Wenn du die Menschwerdungsidee verstehst, dann hast du nämlich null Probleme beim Glauben an ein ewiges Leben.

Im Gegensatz zu Ihren früheren Werken dürfte Ihr nächstes Buch also wieder einigermaßen fest auf dem Boden der katholischen Glaubenslehre stehen. Erwarten Sie Rehabilitierung?

HOLL: Wenn der Vatikan und der Kardinal Schönborn die kleinen Bosheiten, die darin stecken, gnädig überlesen und sagen: "Insgesamt ist der Herr Doktor Holl fromm geworden", dann bekomme ich vielleicht noch auf meine alten Tage den Kardinalshut.

Das klingt recht bescheiden, trug doch eines Ihrer letzten Bücher den hoffnungsvollen Titel "Falls ich Papst werden sollte". . .

HOLL: Das ist mir mittlerweile doch zu steil. Und angesichts der ganzen Kindesmissbräuchlichkeiten bin ich ganz zufrieden, dass mir das erspart bleibt.

ERWIN HIRTENFELDER

Zur Person

Adolf Holl, geb. 1930 in Wien, war Kaplan und kath. Dozent. 1976 Entzug der Lehrbefugnis.

Ehrendoktor der Uni Klagenfurt, Staatspreis für Kulturpublizistik.

Bücher: "Jesus in schlechter Gesellschaft", "Tod und Teufel" etc.

Der einstige "Club 2"-Moderator spricht morgen, 9. November, um 19 Uhr, auf Einladung der Kath. Hochschulgemeinde im Hörsaal 1 der Uni Klagenfurt über "Die Welt - ein einzig Wunder".

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