Dirk Stermann: Immer nie ein Piefke
"Deitschsein" ist ganz schön hart: Dirk Stermann (44) hat in seinem Debütroman seine Annäherung an Österreich verarbeitet.

Foto © ORF / Willkommen ÖsterreichDirk Stermann
Die 23 Jahre Entpiefkenisierung haben Spuren hinterlassen. Wien zu Mittag, ein Kaffeehaus beim Naschmarkt. Dirk Stermann sitzt am Ecktisch und isst Apfelstrudel. "Ist der beste", sagt der Kabarettist und Moderator. Der Verlängerte steht auf dem Tisch oder besser "am Tisch". Die beiden Deutschen, die um den Tisch sitzen, müssen ja auch zeigen, was sie gelernt haben in der fremden Heimat.
"Es gibt beim ORF wirklich einen Entpiefkenisierungskurs", sagt Stermann und grinst. Öffentlich-rechtliche Integration eines "Deitschen", das klingt nach Satire. Ist aber keine und deshalb hat Stermann sie zu Satire gemacht. Sein Romandebüt basiert auf seinen Beobachtungen als "Piefke" in Wien. Ein Rheinländer, der ganz unbefangen 1987 nach Wien kommt und keine Meinung über Österreich und Österreicher hat. Dabei hat jeder Österreicher eine über Deutsche, sagt Stermann.
Er kann nicht mehr zählen, wie oft er auf Códorba angesprochen wurde. Dabei wusste Stermann damals nicht einmal, was Córdoba ist. Heute hält der Fußballfan noch immer für Deutschland, aber wenn Österreich spielt, leidet er trotzdem mit.
Es ist auch diese Ambivalenz, die Stermann in dem Roman verarbeitet. Sich vor anderen Deutschen verstecken und doch von den Österreichern immer erkannt werden. Nie zuvor musste er sich mit dem "Deitschsein" so intensiv beschäftigen wie in Österreich. Stermann erwähnt eine Anekdote aus der Anfangszeit in Wien. Damals gab es noch den Schilling. Deutsche an einer Supermarktkassa wollten mit der D-Mark bezahlen, weil man doch auch Deutsch sprach. "Ich war peinlich berührt und habe mich nicht zu erkennen gegeben."
Es sind diese Art Erfahrungen, die "Sechs Österreicher unter den ersten fünf" zu einer tragikomischen Geschichte über die deutsch-österreichische Völkerverständigung machen, aber auch zu einer scharfen Filetierung der österreichischen Gesellschaft. Das Buch ist bitterböse, urkomisch oder, wie Stermann auch sagt, "eine Art Liebeserklärung an Österreich".
Features
Lesung
Dirk Stermann: Lesung am Mittwoch, den 3.11. um 20 Uhr, Literaturhaus Graz, Tel. 0676 67 101 66.
Zur Person
Dirk Stermann, geboren am 7. Dezember 1965 in Duisburg.
Karriere: Lebt seit 1987 in Wien, seit 1988 beim ORF, seit 1990 mit Christoph Grissemann im Radio "Salon Helga", seit 2007 im TV "Willkommen Österreich".















