Gruberova brillierte als "Lucrezia Borgia"
Die paar Takte bis zum Schlussakkord waren zu viel. Noch bevor Gaetano Donizettis "Lucrezia Borgia" verklang, brach das Publikum in der Staatsoper endgültig in Verzückung aus. Der Grund: Edita Gruberova. Die ewige Primadonna aus Bratislava war Samstagabend zwar als böse Frau, dafür aber mit guter Stimme angetreten - wie vor 40 Jahren erstmals im Haus am Ring.
Vor rund 120 Jahren ging Donizettis Oper, basierend auf einem historisch nicht ganz ernst zu nehmenden Theaterstück Victor Hugos, in der Staatsoper zum letzten Mal über die Bühne. Die von Gruberova gesungene Lucrezia trifft dabei auf ihren Sohn Gennaro (gesungen von Jose Bros), der nichts über die identität seiner Mutter weiß, das Herrschergeschlecht der Borgia allerdings verachtet.
Nach der Schändung des Wappens bringt der eifersüchtige Ehemann Don Alfonso Lucrezia dazu, unwissentlich ihren Spross zu vergiften. Kurz vor seinem Tod erfährt Gennaro über seine Abstammung.
Bravos, Blumen, Blitzlicht. Was Gruberova an diesem Abend in Empfang nehmen durfte, bleibt in dieser Intensität selbst einer Anna Netrebko (noch) versagt. Die Entrückung geschah bereits beim ersten Erscheinen der mittlerweile 63-jährigen Koloratur-Diva auf der Bühne der Staatsoper. Was man an der Gruberova hat und hatte, wurde dann bereits beim ersten Ton klar. Aus dem Nichts erblühende Piano-Bögen, intensive Anklagen, geschmeidige Übergänge und eine Stimme, wie sie nur alle paar Jahrzehnte geboren wird.
Die Vorgabe "konzertant" belächelten die Akteure bestenfalls. Was an Interaktion - vor allem zwischen Gruberova und Bros - geschah, passiert oft unter der Fuchtel von Meister-Regisseuren nicht. Der Spanier glänzte zudem mit einem klaren, durchsetzungskräftigen sowie angenehm schnörkellosen Tenor. Laura Polverelli in einer Hosenrolle als Gennaros Freund Maffio Orsini hatte mit zunehmender Spieldauer ihre Sternstunden als kräftiger, dramatischer Mezzosopran. Mit seinem noblen Bass sorgte Michele Pertusi als Don Alfonso für geschmeidige Hörerlebnisse. Und auch die in diesem Stück eher undankbaren Nebenrollen waren an diesem Abend gut bis brillant besetzt. Applaus gab es ohnehin für alle Akteure und das noch lange nach Ende der Aufführung.















