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Zuletzt aktualisiert: 05.09.2010 um 21:37 UhrKommentare

Dauer-Wahlkampf auf dem Küniglberg

Das große Hauen und Stechen im ORF geht weiter: Streit um Neubestellung des Radiodirektors, Alexander Wrabetz hängt in den Seilen.

Foto © APA

Mit der vorwöchigen Bestellung von Stefan Ströbitzer, der bisher die TV-Information in ORF 2 leitete, zum neuen Radiochefredakteur hat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz den VP-Freundeskreis im Stiftungsrat gegen sich aufgebracht. Und das ein paar Tage vor der von ihm gewünschten Neubestellung eines Radiodirektors.

Über ein Jahr hindurch war der Hörfunkchef Willy Mitsche durch eine schwere Erkrankung außer Gefecht gesetzt. Diesen Juni kehrte er auf seinen Chefsessel in der Wiener Argentinierstraße zurück, um im August zu erklären, dass er zurücktrete. Sowohl ORF-Bediensteten als auch Stiftungsräten stößt sauer auf, dass Mitsche für den Hörfunkdirektor nicht gesund genug ist, aber für eine Landesdirektorengage im Unternehmen bleibt. Auf einem Posten, der neu für ihn erfunden wurde.

Ein neuer Radiodirektor bekommt einen Vertrag bis 31. 12. 2011, denn zu diesem Termin läuft die Amtszeit der Geschäftsführung Wrabetz aus - und dann wird der ORF-Vorstand von sechs auf vier Köpfe verringert. Während Mitsche im Krankenstand gewesen ist, haben sich die ORF-Radios prächtig entwickelt (im Gegensatz zum Fernsehen, siehe rechts): 76 Prozent aller Österreicher und Österreicherinnen hören täglich diese Sender. Und Ö 3 lag während der Abwesenheit des obersten Radiochefs im ersten Halbjahr 2010 bei den Werbeeinnahmen 2,5 Millionen Euro über Plan. Eine Neubestellung des Radiodirektors für knapp ein Jahr soll 700.000 Euro kosten. Reine Geldverschwendung, gegen jedes "unternehmerische Denken" und "verantwortungslos" meint beispielsweise der Kärntner Stiftungsrat Siggi Neuschitzer.

Im ORF lautet die Rechnung so: Würde Amon, der derzeit als TV-Chefredakteur Hauptabteilungsleiter ist, zum Hörfunkdirektor bestellt, würden die Mehrkosten seines Direktorenvertrags im gleichen Zeitraum etwa 77.000 Euro betragen. Die Nachbesetzung von Amons Job in der Fernseh-Information würde etwa 40.000 Euro mehr kosten.

Der Donnerstag wird also spannend: Die SP kann im Stiftungsrat auf 15 der 35 Stimmen zählen. Wie zu einer Mehrheit kommen? Den Zentralbetriebsräten wird nachgesagt, sollten sie nicht direkt für Amon stimmen, dann enthalten sie sich der Stimme, was das Quorum senkt, sodass die SP-Stimmen für die Amon-Bestellung reichen.

Heute kehrt Dominic Heinzls "Chili" aus der Sommerpause zurück. Dieser bisherige Programmflop mit Kosten von 3,3 Millionen Euro wird ebenfalls ein Streitpunkt im Stiftungsrat sein. Ob sich der "Chili"-Publikumszuspruch ab 19.45 Uhr ändern wird? Zweifel sind angesagt.

REINHOLD REITERER

Der Stiftungsrat tagt

Funktion: Er dient vorrangig der Kontrolle des ORF, ist das oberste Aufsichtsgremium, wählt den Generaldirektor (mit einfacher Mehrheit) und trifft Personalentscheidungen.

Mitglieder: 35. Neun davon werden von der Bundesregierung entsandt, zudem ist jedes Bundesland durch ein Mitglied vertreten. Sechs werden aus dem Publikumsrat gewählt, fünf kommen vom Zentralbetriebsrat. Weitere sechs werden von den Parteien im Nationalrat gemäß ihrer Stärke gestellt.

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