Rot-schwarzer Kampf um ORF
Stefan Ströbitzer wird Radio-Chefredakteur. Die ÖVP fasst seine Bestellung als "Kriegserklärung" auf. Karl Amon muss nun um seine Kür zum Radiodirektor bangen.

Foto © ORFKarl Amon, Stefan Ströbitzer
In einem Jahr wählt der ORF-Stiftungsrat den neuen Generaldirektor - oder verlängert den Vertrag des amtierenden, was in der Geschichte der Anstalt aber selten war. Die Fraktionen befinden sich längst im Wahlkampf, jede Personalentscheidung wird zum Politikum.
Nun wurde Stefan Ströbitzer von Alexander Wrabetz zum Radio-Chefredakteur bestellt. Bisher war er für die Nachrichten auf ORF 2 zuständig, allen voran die "Zeit im Bild", und zugleich Stellvertreter von Chefredakteur Karl Amon. Die beiden wollen weiter ein Team bilden, wohl ein Grund dafür, dass sich Ströbitzer überhaupt für den neuen Posten beworben hat. Geht es nach Wrabetz - und der SPÖ - wird Amon nämlich Radiodirektor. Ausgerechnet die Kür seines langjährigen Mitarbeiters stört diesen Plan jetzt aber.
Amon gilt als Sozialdemokrat. Bundeskanzler Werner Faymann soll ihm vor fast zwei Jahren die Nachfolge von Wrabetz, ebenfalls ein Roter, angeboten haben, was Amon jedoch ablehnte. Ströbitzer wird von SP-Seite als Bürgerlicher punziert, von ÖVP-Seite eine enge Freundschaft mit dem roten Medienstaatssekretär Josef Ostermayer unterstellt. Ströbitzer selbst sagt: "Ich glaube, dass man mich aufgrund meiner bisherigen Arbeit in keine Schublade stecken kann." Die ÖVP fasst seine Bestellung dennoch als "Kriegserklärung" auf. "Jetzt reicht es uns mit dem roten Wunschkonzert", sagt ein Stiftungsrat, der zum schwarzen Freundeskreis gehört.
Wrabetz kann den Radiodirektor nicht freihändig bestellen. Für die Wahl braucht es im 35-köpfigen Stiftungsrat mindestens 18 Stimmen. Die SPÖ hofft auf Enthaltungen, die das Quorum senken würden, denn nur 15 Stiftungsräte zählen zum roten Freundeskreis. Über das Wochenende werden die Repräsentanten der Opposition, Kirchenvertreter Franz Küberl und die parteilosen Betriebsräte, die ebenfalls im Stiftungsrat sitzen, also heftig umgarnt.
Der blaue Stiftungsrat Norbert Steger spricht aus, was viele denken: Warum "pocht" man auf sechs Direktoren, wo laut ORF-Gesetz die nächste Geschäftsführung nur mehr aus vier bestehen wird und der bisherige Radiodirektor Willy Mitsche das Amt aus Krankheitsgründen schon lange nicht mehr ausgefüllt hat?
Die Antwort lautet: Es herrscht Wahlkampf auf dem Küniglberg.
EVA WEISSENBERGER














