Nenas feuchter Geburtstagsgig
Nena-Fans trotzten in Velden stundenlang dem strömenden Regen. Als reichen Lohn gab es das Wiederhören mit einer lebenden Pop-Legende.

Foto © WeichselbraunBegeisterung im matschigen Kurpark: Nena ließ ihre Fangemeinde hingebungsvoll mitsingen
Gabriele Susanne Kerner aus dem deutschen Hagen - kurz Nena - beehrte im Rahmen ihrer "Party 50! Tour" nach langer Abwesenheit wieder einmal Kärnten. Die Fans in Velden hätten der Ikone der Neuen Deutschen Welle dabei kein schöneres Geschenk zu ihrem ersten halben Jahrhundert machen können: Trotz strömenden Regens und Regenschirmverbotes harrten sie drei Stunden lang des Beginns des Open-Air-Konzertes am Wörthersee.
Mit "Made in Germany", begleitet von weißem Zucken bei den technischen Geräten, das aussah wie ein "Kurzer", begann die 90-minütige Rockshow, gefolgt von "Schön, schön, schön". Dann zog die Nena-Band das erste Ass aus dem Ärmel: "Nur geträumt", mit subversivem Keyboard auf Techno getrimmt. Erste begeisterte Pfiffe des Publikums waren zu hören, als der Song vorbei zu sein schien. Doch er ging weiter. Auf der Bühne wurde "headgebangt", die Zuhörer durften mitsingen, weil Nena das Mikrofon von der überdachten Bühne aus in den zu 90 Prozent gefüllten Kurpark hielt. Jeder Pfarrer würde sich wohl wünschen, dass seine Schäfchen so textgetreu und hingebungsvoll mitsängen wie die Nena-Fans an diesem Samstagabend.
99 Luftballons
Das geschah gleich mehrmals. Etwa beim "Leuchtturm", zuerst in der alten, dann in der neuen Version. Und bei den "99 Luftballons", die ganz original klangen, weil es da scheinbar nichts mehr zu verbessern gibt. Auch "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" klang einige Minuten sehr nach dem Original. Das hätte ganz schön altbacken geklungen, wäre dies der Tenor der ganzen Show gewesen. Aber mit "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" zeigte Nena, was sie mit ihren jungen Musikern aus alten Hits machen kann: In diesem Fall eine Reggaeversion. Auch potenzielle Zukunftsmusik generierte die elfköpfige Band. Bei "Du bist so gut für mich" erinnerten Keyboard und Drums stark an "Kraftwerk", gemischt mit einem "Depeche Mode"-Discosound. Dazu kamen das "Rammstein"-lastige "Sheriff" und das psychedelisch punkige "Ich bin hyperaktiv".
"Vielen Dank, ihr Lieben, dass ihr da seid", rief Nena den bis auf die Unterwäsche durchnässten, aber zufriedenen Regenponcho-Trägern auf der gefluteten Wiese zu. Dieser Dank geht postwendend retour. An eine 50 Jahre junge Frau, die zur selben Zeit die Hitparaden stürmte wie einst Falco. Und immer noch großartig singt.
















