Mit dem Fahrrad in die Auszeit
Sattelfest: Oliver Baier, derzeit erfolgreich bei den Komödienspielen Porcia, radelt demnächst nach Südfrankreich. Zuvor wird in Kärnten hart trainiert.

Foto © Riepress
Als Oliver Baier im Juli 2006 in New York in Little Italy in einer Trattoria saß und das Finale der Fußball-WM zwischen Italien und Frankreich vor dem Fernsehschirm erlebte, konnte er sich vieles vorstellen, nur eines beim besten Willen nicht: dass er das WM-Finale von 2010 in Spittal an der Drau verfolgen würde.
So aber kam's, denn Oliver Baier verbringt nun schon den dritten Sommer am Stück als Ensemblemitglied der Komödienspiele auf Schloss Porcia in Oberkärnten. Und der heurige wird auch nicht der letzte Sommer sein, Intendant Peter Pikl baut auch 2011 auf den 44-jährigen Spätberufenen, der in diesem Jahr in Walter Hasenclevers Komödie "Ein besserer Herr" brilliert.
Liebe zum Landleben
Werner Schneyder holte den einstigen Radiomann im Jahr 2008 erstmals in den österreichischen Süden und besetzte die Hauptrolle in Hofmannsthals "Der Schwierige" mit dem in Wien geborenen Multitalent (Schauspieler, Moderator, Kabarettist, Autor und Regisseur). Zuvor schon spielte Baier mit Schneyder 2007 im Wiener "Rabenhof" in dessen "Galanacht", seine erste "wirkliche" Rolle.
"Als wir dann 2008 den ,Schwierigen' zu proben begannen, dachte ich, dass ich spätestens nach der Premiere jeden freien Tag in Wien verbringen würde, weil ich glaubte, ein unverbesserlich urbaner Typ zu sein." Das stellte sich allerdings als ähnlicher Irrtum heraus, wie die Sache mit dem WM-Finale und Spittal an der Drau. Nach wenigen Wochen nämlich fand er Gefallen am Landleben. So "residiert" er seither bis zu drei Monate beim "Peterle Bauern" auf halber Strecke zwischen dem Drautal und Millstättersee-Südufer, darf die Waschmaschine der Frau Messner mitbenützen, macht sich sein Frühstück selbst, weil er in Frau Messners Augen zu lange schläft, oder er gönnt sich ein Semmerl im Café und erledigt die meisten Wege mit dem Fahrrad. "Seit heuer auch mit einem E-Bike, denn bis zu drei Mal täglich nach Spittal und zurück ist ein schönes Stück Arbeit. Und man will ja nicht immer völlig verschwitzt ankommen."
Goldeck und retour
Zwischendurch aber steigt er sehr wohl auch auf das "normale" Rad und quält sich über die Ortschaften Zlan und Stockenboi hinauf auf das Goldeck. Zu Trainingszwecken, wie er sagt, denn wenn in Spittal der letzte Vorhang gefallen ist, macht er sich mit dem Drahtesel mutterseelenallein auf den Weg nach Aix-en-Provence. "1098 Kilometer sind's, und ich möchte täglich knapp 80 bewältigen. Im Moment überlege ich, was ich alles in meine Satteltaschen packen werde. Zu schwer soll's natürlich nicht sein. Gut möglich, dass ich mein Rasierzeug da lasse und dann mit Vollbart in den Zug zurück nach Österreich steige. Das Ganze ist im übertragenen Sinn mein persönlicher Jakobsweg und der Beginn einer Auszeit, die ich mir bis Februar 2011 nehmen möchte. Mal sehen, wie das klappt." Mit dem Campingbus quer durch Australien, das steht während dieser Schaffenspause ebenfalls auf dem Programm. Und dann will er wieder bei Kräften sein, denn in den vergangenen Jahren habe er sich mitunter zu viel zugemutet. Bei Kräften für seine Karriere als Schauspieler, denn als solchen sieht sich längst nicht nur er, sondern auch viele Fernsehzuschauer und Theaterbesucher. Nicht zuletzt ob seiner grandiosen Darstellung des zwischen Schein und Sein mental zerrissenen Primarius Dr. Böck im TV-Zweiteiler "Der Aufschneider" an der Seite von Josef Hader. "Aber für manche bin ich wegen meiner Tätigkeit als Moderator von ,Was gibt es Neues?' immer noch der Kasperl, der jeden Freitag seltsame Dinge durch die Luft wirft."
All jenen sei an dieser Stelle empfohlen, noch bis 27. August nach Spittal zu reisen und sich den "besseren Herrn" anzusehen. Denn Baier ist ein wirklich sehr guter.
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ZUR PERSON
Oliver Baier, geboren 1965, österreichischer Entertainer, Radio- und Fernsehmoderator. Schauspieler u. a. bei den Komödienspielen Porcia in Spittal, heuer in "Ein besserer Herr" (Aufführungen: 17., 19., 21., 23. und 27. August) mit Peter Pikl















