Literatur nach dem Sturm: Stadtschreiber nimmt Abschied
Das Abschiedsprojekt des Grazer Stadtschreibers Fiston Mwanza wird am Montag im Grazer Auschlössl präsentiert. Die "Textkörper" der Anthologie "Nach dem Sturm" wurden von Gefängnisinsassen aus den Justizanstalten Karlau und Garsten geschaffen.

Foto © UtriDer scheidende Grazer Stadtschreiber
GRAZ. Das Eingesperrtsein, Kontaktarmut, die Trostlosigkeit der öden Routinen: Das geben die Texte als Erstes preis. Erst nach und nach zeigen sich dahinter die Themen, um die es auch geht, gehen muss: Ohnmacht, Überforderung, Rechtfertigung, Schuld, Reue.
Dreizehn "Textkörper", geschaffen von Gefängnisinsassen aus den Justizanstalten Karlau und Garsten versammelt der Band "Nach dem Sturm". Texte unterschiedlicher Gattungen: Gedichte, Prosa, Tagebucheintragungen.
Zum Thema
Das Buch entstand auf Initiative des Grazer Stadtschreibers Fiston Mwanza. Er ging in die genannten Gefängnisse, um mit den Häftlingen literarisch zu arbeiten. Sein Antrieb war dabei ganz spezieller Natur: Die Universität in Lubumbashi (Demokratische Republik Kongo), an der er studierte, lag in der Nähe eines Gefängnisses.
Der An- und Abtransport der Gefangenen, "das Bild der Menschenkörper, Körper in einem unbeschreiblichen Menschenknäuel", hat Mwanza nicht mehr losgelassen: "Ich sagte mir, eines Tages jene zu Wort kommen zu lassen, denen dies stets verwehrt bleibt."
"Nach dem Sturm" zeigt, wie sich die Eingesperrten mit dem eigenen Leben auseinandersetzen. Es zeigt aber auch exemplarisch das Entstehen von Literatur, die manchmal auch mühselige Bewusstwerdung von Sprache und dichterischer Stimme. Mwanza löst damit nicht zuletzt den Anspruch an den Stadtschreiber ein: das Kulturleben der Stadt um neue Impulse, originelle Perspektiven zu bereichern.
Fakten
Buchpräsentation "Nach dem Sturm": Auschlössl, Graz, Friedrichgasse 16, 16. August, 18 Uhr. Eintritt frei.
Mwanza, dessen Jahr als Grazer Stadtschreiber am 31. August endet, präsentiert das von ihm und der Kulturvermittlung Steiermark herausgegebene Buch nun am 16. August im Grazer Auschlössl und liest eigene Texte. Die Lesung der deutschen Texte besorgt Regisseur Ernst M. Binder, der kurdisch-türkische Saz-Virtuose Düzgün Celebi sorgt für Musik.













