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Zuletzt aktualisiert: 24.07.2010 um 13:06 UhrKommentare

Dirigent Harke de Roos mit Wiener Symphonikern

Vor 24 Jahren hat Dirigent Harke de Roos eine musikalische Entdeckung gemacht, die ihn seither nicht mehr loslässt: Beethovens Metronomangaben werden seit 200 Jahren falsch gelesen, seine Werke daher zu schnell oder zu langsam gespielt. Jetzt will der gebürtige Niederländer seine Theorie gemeinsam mit den Wiener Symphonikern hörbar machen. Er nimmt die 2. Sinfonie im "korrekten" Tempo auf.

Nach vielen Jahren Pause steht Ende September ein großes Dirigat an: De Roos nimmt mit den Wiener Symphonikern Ludwig van Beethovens 2. Sinfonie neu auf, und zwar so, wie das Werk seiner Ansicht nach seit der Uraufführung 1803 im "Theater an der Wien" nicht mehr gespielt wurde. "Man hat sich 200 Jahre lang die Metronomangaben so gut wie nicht angeschaut. Die Orchester spielen Beethovens Werke nicht in ihrer Urgestalt, sondern verzerrt", sagt er mit großer Bestimmtheit.

Der holländische Musikwissenschaftler und Tempoforscher Willem Retze Talsma hatte ihn auf die Fährte gebracht. In einer Radiosendung hörte de Roos Anfang der 80er Jahre von Talsmas Halbe-Tempo-Theorie. Dieser vertrat die These, dass die Werke der Klassik heute doppelt so schnell aufgeführt werden wie früher. De Roos hatte Feuer gefangen.

Es war der 13. März 1986, als er über der Partitur der 7. Sinfonie Beethovens brütete und er auf einmal die Erkenntnis hatte, die sein Musikerleben aus dem Takt brachte: Beethovens Metronomangaben sind verschlüsselt! Einige der Angaben seien ein bewusst eingesetztes Rätsel des Komponisten - der "wahre" Musiker werde das natürliche Tempo eines Stücks erkennen. Seine Erkenntnisse veröffentlichte de Roos 1991 in seinem Buch "Beetgenomen door Beethoven" ("Hereingelegt von Beethoven").

Um die Fachwelt davon zu überzeugen, dass die gängigen Tempo- Annahmen von Beethovens Kompositionen falsch und die Tempo-Relationen zwischen den einzelnen Sätzen oft nicht stimmig sind, hat de Roos gemeinsam mit seiner zweiten Frau Katharina und seinem Mitstreiter Klaus Sälzer Anfang Mai die Enigma-Stiftung gegründet. Deren Ziel ist, "die klassische Einheit in den Werken Beethovens und damit dessen verletzte künstlerische Ehre wiederherzustellen". Um sich diesem Projekt mit ganzer Kraft widmen zu können, kündigte er seine Anstellung als Klavierbegleiter im Eurythmie-Unterricht ­ einem Pflichtfach für expressive Bewegungskunst - an der Waldorf-Schule Loheland in Künzell.

Quelle: APA

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