Das schönste Bleiberecht: Fremdenfreundlichkeit ohne Scheuklappen
Mit dem Projekt "Fremdsehen" glückte der Regionale10 ein schier unglaublicher Beweis für Fremdenfreundlichkeit ohne Scheuklappen.

Foto © regionale
Daheim bist Du überall, wo etwas auf dich wartet, heißt es ebenso schön wie (manchmal) trügerisch. Bei der Regionale10 wurde in einem herausragenden Projekt die Probe aufs Exempel gemacht - und es wurde ein humaner und künstlerischer Triumph auf allen Ebenen.
14 Künstlerinnen und Künstler aus allen Regionen dieser Erde verbrachten und verbringen im Rahmen von "Fremdsehen" Aufenthalte in Gemeinden im Ennstal, quasi als Zuwanderer oder "Fremdheimische." Alle ihre Erfahrungen dokumentieren sie ständig in ihren Internet-Blogs. Skurrile Fotos sind ebenso in Hülle und Fülle zu finden wie Alltagsbetrachtungen, Schnappschüsse, poetische Impressionen, ein intensiver Limonadentest mit den vier Sorten der Gesäuse-Perle oder stille Jubelrufe über typisch steirische Kochrezepte.
Aber es gibt natürlich auch weitaus ernstere Hintergründe. So organisierte die iranische Fotografin Maryam Mohammadi, zwei Wochen beheimatet in Selzthal, zu ihrem Abschied eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Bombenangriffs im Jahr 1945. Der aus Sarajevo stammende bildende Künstler Mirko Maric pirschte "undercover" durch Schladming, die Chilenin Carla Bobadilla will ihre Erfahrungen in Prüggern, reich an Skurrilitäten, auf besondere Weise ummünzen: Sie geleitet die Ortsbewohner als Fremdenführerin durch ihre eigene Gemeinde.
Was besonders fasziniert: bisher gab es keinen einzigen fremdenfeindlichen Kommentar gab. Im Gegenteil: Die türkische Literatin Sehar Cakir wurde bei ihrer Abschiedslesung in einem Stainacher Café mit Geschenken überhäuft, verbunden mit der Bitte, bald wiederzukehren.
"Ich bin hingerissen", schwärmt Mitinitiatorin Edith von UniT über ein Projekt, das zum Beleg wurde, wie problem- und grenzenlos das Bleiberecht und das Miteinander sein können. Draxl: "Das war ein unglaublicher Impuls, wir hoffen sehr, diese oft zutiefst berührenden Begegnungen fortsetzen zu können." Nachhaltigkeit, hier ist sie.













