Premiere von "Carmen" in Klosterneuburg
Spanisch gibt sich heuer die operklosterneuburg, deren Intendant Michael Garschall auf Georges Bizets "Carmen" gesetzt hat. Bei der Premiere am Samstagabend im Kaiserhof des Stiftes Klosterneuburg sind vor allem schöne Stimmen zu bewundern gewesen, allen voran Katharina Bradic in der Titelrolle, Bruno Ribeiro als Don José und nicht zuletzt Ana Puche Rosado als Micaela.
Andalusien ist weit: Zwei rötliche Mauerblöcke, einen davon mit zwei Galerien, hat Bühnenbildnerin Alexandra Burgstaller als recht schroffen Kontrast zum barocken Ambiente in den Raum gestellt. Vor und auf dieser Kulisse scheinen sich die Figuren bisweilen fast zu verlieren. Am rechten Bühnenrand steht ein Stier wie die Silhouette eines Toro de Osborne in der spanischen Landschaft, doch ist er kein Werbeträger, sondern hält in roter Leuchtschrift die deutsche Simultanübersetzung des französischen Librettos bereit.
Gleich zu Beginn tritt die Wache auf und wirft bedrohliche Blicke ins Publikum. Regisseurin Pascale-Sabine Chevroton hat mit folkloristischer Masche wenig im Sinn, die schönen Kostüme von Andrea Hölzl lassen hingegen iberisches Kolorit zu. Es geht offenbar mehr um emotionale Konflikte und deren Zuspitzung. Manche Szene, zum Beispiel in der Schenke des Lillas Pastia, gerät etwas statisch, unterkühlt, ja zeitlupenhaft, andererseits wird nach der Pause eine deutliche dramaturgische Steigerung spürbar. Gespenstische Schattenspiele an der Klosterwand verdoppeln die Unheimlichkeit der Schmugglernacht. Die finale Begegnung zwischen Carmen und Jose endet mit einem tödlichen Kuss - ohne dass zuvor ein Messer zu sehen gewesen wäre: Love kills.
Während Bradic optisch von der ärmlichen Zigeunerin zur eleganten Senorita aufsteigt, verfällt Jose vom stolzen Offizier ins lumpige Elend. Dem steten Wohlklang des attraktiven Paars tut das keinen Abbruch, auch der holländische Escamillo Martijn Sanders findet im Verlauf des Abends zu guter Form, Partien wie Frasquita (Denise Beck) und Mercedes (Martha Hirschmann) sind gut besetzt. Kleine Unebenheiten zwischen Orchestergraben - Enrico Calesso leitet die Sinfonietta Baden - und Bühne sollten sich noch einrenken. Für 2011 wird "Die Hochzeit des Figaro" angekündigt.















