Al Green brachte am Jazz Fest Wien Liebe
Wenn Reverend Al Green kommt, ist Bescherung. Da gibt es Rosen, sehr viel Liebe - und dazu noch ein bisschen Gott. Im Rahmen des Jazz Fest Wien war dieses Spektakel Sonntagabend in der Staatsoper mitzuerleben, ekstatische Freude des Publikums inklusive. Überschäumenden Jubel gab es aber auch für die Überraschung des Abends, Greens musikalischen Erben Allan Harris, der als Support Act auftrat.
Auch wenn Al Green eigentlich für die protestantische Konkurrenz arbeitet: Einen Vertreter in die Staatsoper zu entsenden hätte dem heimischen Klerus gut getan. In Zeiten von Mitgliederschwund hätte man sich bei diesem Gottesmann wenigstens einen Schuss Inspiration holen können, war das Publikum nämlich nicht nur auf Soul-Hits, sondern auch auf spirituellen Exoten-Bonus aus. "Preach!", lautete die Aufforderung aus einer der Logen. Green zeigte kein Verständnis für derlei Unverständnis: "I'm already preaching!"
Die Liebesbotschaft, die Green zu verkünden hatte, war zwar im Inhalt nicht sehr originell (Love, Love und wieder Love), ging aber ins Mark und von dort direkt in die Beine. Im Anzug, roten Gilet und Sonnenbrille betrat der Heilsbringer die Bühne, schnappte sich einen Strauß Rosen und verteilte sie während des Konzertes an eine subjektive Auswahl holder Weiblichkeit. Und bald wusste man, woher der King of Pop einst seine Inspiration holte. Dieser zollte wiederum seinen Soul-Vorbildern mit einem Medley Tribut.
Zur Steigerung der Transzendenz dienten die Hits, derer Green vor allem in den 70ern genügend lieferte: "Sha-La-La", "Let's Stay Together" und "Tired Of Being Alone" etwa. Den notwendigen Druck erzeugte eine Band, die eher die Bezeichnung Orchester verdient. Mit Bläsersatz und den Green-Sisters wurde ein mächtiger Sound geliefert, da hielt es das Publikum nicht lange auf den Stühlen.
Den prägenden Einfluss der Marschmusik auf heimische Jazz-Connaisseure durfte auch Allan Harris spüren, der mit seinem Quintett als "Vorgruppe" aufgetreten war. Der Allrounder begeisterte mit Jazz-Standards, Soul, Blues und sogar Country-Anklängen.















