"Ö1-Papst" Treiber geht: "Leistete Beitrag gegen Verblödung"
Alfred Treiber, langjähriger Ö1-Chef und wortgewaltiger Kulturradiomacher des ORF scheidet mit Ende Juni aus der Funkanstalt aus und tritt in den Ruhestand. Treiber geht "nicht in Wehmut oder Depression, sondern mit Gelassenheit".

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Treiber gehe mit der Hoffnung, vielleicht doch einen kleinen Beitrag gegen die totale Verblödung und Medienidiotie geleistet zu haben", wie er selbst im aktuellen Ö1-Clubmagazin schreibt.
Chef "wenig entschlossen"
Beim Abgang poltert der ebenso erfolgreiche wie polarisierende Radiomacher freilich wie eh und je. Treiber macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: Intern kritisiert er den seiner Meinung nach "wenig entschlossenen" ORF-Chef, hält Plädoyers für seinen Wunschnachfolger Clemens Kopetzky, lässt Spitzen gegen die als neue Ö1-Chefin favorisierte Bettina Roither ab und stellt zugleich jede andere als die von ihm präferierte Nachfolgelösung in die Nähe des politischen Kuhhandels um den ORF. Dass der Alt-68er, der auf dem langen Marsch durch die Institution Ö1 vom einfachen Redakteur zum Senderchef aufstieg, sich in der Vergangenheit Dritten gegenüber schon mal als dringlichen SPÖ-Personalwunsch verkauft haben soll, bleibt dabei unerwähnt. Offiziell positioniert und positionierte sich Treiber immer als Freigeist und unabhängiger Agent Provocateur.
Um seinen Wortschatz beneiden ihn viele, insbesondere wenn es ums Schimpfen geht", meinte schon der frühere ORF-Generalintendant Gerhard Weis. Treiber, ganz Meister der ORF-Kabale und -Hiebe, teilte zeit seines Ö1-Lebens ordentlich und undiplomatisch aus. "Sprachunbegabte Redakteure", Betriebsräte im "Machtrausch", unfähige ORF-Intendanten bzw. -Direktoren, "ablösereife" ORF-Generaldirektoren, Stiftungsräte, Politiker, ein "schwachsinniges" ORF-Gesetz, juristische Vollzugsbeamte, die dieses "ohne Augenmaß" vollziehen, Bundeskanzler - alle bekamen ihr Fett ab. Zum Abschied rief Treiber seine Mitarbeiter noch einmal zum Kampf gegen Schund und Dummheit inner- und außerhalb des Hauses auf.
Seinen Kollegen bei Ö1 gilt Treiber als Journalist, Autor, Radiomacher und vor allem als Medienmanager als Phänomen. "Der Erfolg, die Quote, die Reichweiten und die Marktanteile waren ihm stets nur Mittel zum Zweck", so Peter Klein, Leiter der Ö1-Abteilung Literatur, Hörspiel und Feature. "Er verschonte, wenn es denn um das größere Ganze ging, weder Freund noch Feind. Er war und ist ein öffentlich-rechtlicher Patriarch." Kritik an seinem ruppigen Führungsstil wies die Ich-AG des Alfred Treiber wiederholt zurück, kolportierte Vorwürfe, dass er seine Funktion für private Zwecke ausgenützt habe, bezeichnete er als "miese Intrige".
Treiber ist seit 1995 Kultur- und Programmchef von Ö1. Unter seiner Führung entwickelte sich der Sender zu einem der besten und erfolgreichsten Kultur- und Informationsprogramme Europas, die Hörerzahlen stiegen kontinuierlich. Beim jüngsten Radiotest kam der Informations- und Kultursender auf einen Rekordwert von 9,2 Prozent Tagesreichweite, das sind mehr als 680.000 Hörer täglich. Für seine Arbeit am Sender erhielt Treiber deshalb etliche Auszeichnungen und wurde national und international mit viel Lob überhäuft. "Ö1 hat sich vom betulichen Hofratswitwensender hin zum Servicesender entwickelt, mit dem Grundsatz: Jüngere Hörer gewinnen ohne ältere zu verlieren", beschrieb Treiber die Entwicklung der vergangenen Jahre einmal.
Weg von "Hofratswitwen"
Mit den vielzitierten "Hofratswitwen" hat sich der scheidende Ö1-Chef übrigens auch in den letzten Monaten seiner Tätigkeit angelegt: rund um das umstrittene und bei Hörertests polarisierende Satireformat "Welt Ahoi!". Treiber lässt aber keinen Zweifel daran, dass die Sache gegessen ist: "'Welt Ahoi!' bleibt, und bleibt auch am jetzigen Sendeplatz. Da kann eine gar nicht so große, aber sehr lautstarke Gruppe vor Enttäuschung und Wut ins Butterkipferl oder in den Filzpatschen beißen, es nützt nichts".
Dass Treiber den ORF tatsächlich einmal verlassen würde, hielten viele für undenkbar. ORF-General Alexander Wrabetz habe ihm versichert, "ich könne bleiben, so lange ich wolle", hielt der quasi auf Zuruf zum Ö1-Chef auf Lebenszeit ernannte Treiber noch vor drei Jahren fest. Und Radiodirektor Willy Mitsche meinte auf die Frage, ob hier eine Pensionsregelung wie beim Papst gelte, dass es sich bei Treiber eben um einen "Ö1-Papst" handle. "So lange er und Gott wollen, kann er gerne bleiben, weil er hervorragende Arbeit leistet." Im Zuge der ORF-Sparmaßnahmen und der damit verbundenen Pensionierungswelle konnte es für den Radiomacher nun aber keine Ausnahme mehr geben.
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So oder so hat mir die Arbeit für Ö1 unbändige Freude gemacht.
Alfred Treiber













