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Zuletzt aktualisiert: 17.06.2010 um 13:42 Uhr

Hans Dichand - begnadeter und umstrittener Blattmacher

Mit Hans Dichand starb einer der größten Zeitungsmacher der österreichischen Nachkriegszeit.

Foto © APA

Dichand wurde am 29. Jänner 1921 in Graz als Sohn eines selbstständigen Schuhmacher-Unternehmers geboren. Nach einer Druckerlehre meldete er sich im Jahr 1940 freiwillig zur Kriegsmarine, wo er 1941 schwer verwundet wurde. "Als ich dann vom Zweiten Weltkrieg nach Hause kam, las ich in Graz in der ersten steirischen Zeitung, die es damals unter der britischen Besatzung gab, ein Inserat mit folgendem Inhalt: 'Redakteur für britischen Nachrichtendienst gesucht.'", berichtete Dichand in einem Interview. "Das habe ich meiner Mutter gezeigt, die aber nur meinte: 'Du Hochstapler! Du bist gelernter Buchdrucker und kannst sicher wieder entsprechend unterkommen.' Ich aber bewarb mich dennoch und wurde aufgenommen. So begann meine Laufbahn als Journalist."

1946 wurde Dichand Chefredakteur der "Murtaler Zeitung", und in den Jahren 1949 bis 1955 machte er die "Kleine Zeitung" als Chefredakteur zum größten Bundesländerblatt, bevor er als Chefredakteur des "Kurier" nach Wien wechselte. Auch der "Kurier" wurde unter Dichands Führung zum Erfolgsblatt und zur größten Zeitung des Landes. Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Herausgeber kehrte er dem "Kurier" Ende der 1950er Jahre den Rücken.

1959 verwirklichte Dichand schließlich seine Idee einer "Volkszeitung". Mit Unterstützung des damaligen ÖGB-Präsidenten Franz Olah, der ihm einen Startkredit vermittelte, und mit Kurt Falk als kongenialen Partner für Vertrieb und Verwaltung an seiner Seite, brachte er die "Kronen Zeitung" auf den Markt. Das handliche Kleinformat schrieb bereits im dritten Jahr seiner Existenz eine Million Schilling Gewinn und kann sich seit Anfang der 70er Jahre als die unangefochten größte Zeitung des Landes bezeichnen. 1986 trennte sich Falk, nach zunehmender Entfremdung von Dichand, von seinem Hälfteanteil an der Zeitung. Dank des Einstiegs der deutschen WAZ-Gruppe konnte Dichand seinen ehemaligen Kompagnon mit kolportierten 160 Millionen Euro auszahlen.

Trotz diverser Streitigkeiten mit dem deutschen Mitbesitzer hielt Dichand das Ruder in der "Kronen Zeitung" fest in seiner Hand. Redaktionell gab er die Marschrichtung vor und betrieb mediale Feldzüge gegen Politiker und Politik. Mit ihren entfesselten Kampagnen - etwa gegen das Wasserkraftwerk in Hainburg, für den Präsidentschaftskandidaten Kurt Waldheim oder gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelin - erregte die Zeitung immer wieder Aufsehen. Zuletzt war es die SPÖ, die die These untermauerte, die Politik hänge am Gängelband der "Kronen Zeitung". Im Gegenzug für seinen "Kniefall" in Sachen EU-Politik bedachte Dichand seinen Wunsch-Ziehsohn, den SPÖ-Spitzenkandidaten und heutigen Bundeskanzler Werner Faymann, im Vorfeld der jüngsten Nationalratswahl mit unbezahlbarer Positivberichterstattung.

Früher war Dichand für seine konspirativen Politikertreffen in der Bar am Wiener Ringstraßenhotel Bristol berüchtigt und kaum ein regierender Politiker, mit Ausnahme von Wolfgang Schüssel, vergaß, Hans Dichand nach seiner Wahl einen Antrittsbesuch abzustatten. Machtbestrebungen wies der Hundenarr aber stets von sich und betonte: "Der Platz des Journalisten ist im Vorhof der Macht. Ich streichle lieber meinen Hund daheim, als Macht auszuüben."

Festgehalten wurde Dichands Arbeitsweise auch in einer Dokumentation der belgischen Filmemacherin Nathalie Borgers. Der ORF hat die 2002 produzierte Sendung "Kronen Zeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück" nie ausgestrahlt, diese Aufgabe hatte der Kulturkanal ARTE übernommen und flog daraufhin prompt und unwiederbringlich aus der Programmseite der "Kronen Zeitung".

Dichand hat drei Kinder - "Krone"-Chefredakteur Christoph, Michael, Johanna - und ist mehrfacher Großvater. Der Millionär und erklärte Paris-Liebhaber ist darüber hinaus einer der bedeutendsten Kunstsammler Österreichs und besitzt Werke von Schiele, Klimt und Kubin. Dichand bewohnt eine großzügige, von Stararchitekt Wilhelm Holzbauer geplante Villa im Wiener Kaasgraben in Döbling. Daneben unterhält er Feriensitze am Attersee neben der Familie Waldheim, in Lech am Arlberg und an der sardischen Costa Smeralda. In seiner Freizeit segelt Dichand gerne auf dem Attersee, um "mit der Natur allein zu sein", wie er erklärte.

Zeitung machen wollte Hans Dichand seit seinem zwölften Lebensjahr. Es begann mit der Lektüre von Erwin Rosens Buch "Deutscher Lausbub in Amerika": "In diesem Buch schleicht sich ein Bub mit 14 Jahren in Hamburg auf ein Schiff und fährt als blinder Passagier nach Amerika. Dort wird er Zeitungsausträger und später ein berühmter Journalist. Er war immer ein Vorbild", so Dichand.


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