Eine geballte Ladung Theatertechnik
Die beiden jungen Choreografinnen Sanja Neškovi? Peršin und Kjara Strič erarbeiteten für das Slowenische Nationaltheater die Produktion "Urbanobalet".

Foto © Aljosa ReboljDie Choreografinnen Sanja Neskovic Persin und Kjara Staric
Große Häuser fühlen sich zu Recht der Nachwuchsförderung verpflichtet. So auch das "Slowenische Nationaltheater für Oper und Ballett" in Ljubljana, welches die jungen Choreographinnen Sanja Neškovi? Peršin und Kjara Strič einlud mit dem Ballettensemble zu arbeiten. Unter dem Titel "Urbanobalet" zeigten sie im "Kino Šiška", dem neuen Kulturzentrum der Stadt, ihre Ergebnisse.
Sowohl Sanja Neškovi? Peršin als auch Kjara Strič setzen auf eine geballte Ladung Theatertechnik: Bei Peršin blitzt und blinkt es effektvoll, Nebelschwaden steigen auf, ein Spiegel verdoppelt Körperbewegungen. Strič hingegen lässt Videoeinspielungen über die Hinterwand flimmern, hell und dunkel wechselt dynamisch. Elektronische Soundteppiche unterstreichen bei beiden die artifizielle Atmosphäre.
Während jedoch Peršin in "Neverland ing", einem Stück über die Unfähigkeit anzukommen, die Ballettkonventionen kreativ hinterfragt, verfestigt Strič in "Comfort Zone", einem Stück über die Unfähigkeit auszubrechen, überholte Klischees. Peršin überrascht etwa mit punktuell laschen Ballerinen oder präziser Beinarbeit im Spitzenschuh unter bewusster Aussparung von Armgesten. Strič startet "Comfort Zone" mit einer spannenden, kreisförmigen Gruppenchoreografie, die jede Individualität im Keim erstickt. Ihre Story zerbröselt jedoch, als sie die heterosexuelle Zweierbeziehung in langatmigen Duetten zum Heilmittel gegen Gruppenzwang und Einsamkeit hochstilisiert.
Insgesamt sind die 14 Tänzerinnen und Tänzer aus der engagierten Compagnie gut in Form, wenn auch nicht immer hundert Prozent unisono. Gewohnt souverän sticht der Kärntner Lukas Zuschlag aus dem Ensemble heraus. Teile aus "Urbanobalet" sollen bei den gratis Outdoor-Veranstaltungen des Nationaltheaters im Juni am prominenten Pešeren Platz von Ljubljana gezeigt werden. Ob die Produktion in das Repertoire der Oper übernommen wird, ist noch offen.















