Der Klang der Seidenstraße
Eine Kultur-Karawane, geleitet von Bruno Baumann, sollte 2010 die Seidenstraße neu interpretieren. Er musste das Projekt ins nächste Jahr verschieben, dennoch startet er am Samstag.

Foto © PrivatBruno Baumann, 2007
Zu Beginn stand er mit beiden Beinen fest in den Wolken: Ein Konvoi von Containertrucks, Geländewagen mit Musikern, Tänzern, Wissenschaftern und sonstigen Künstlern sollte sich von Hamburg aus auf den 17.000 Kilometer langen Weg nach Schanghai machen und bei der dortigen Weltausstellung das Finale feiern. Unterwegs waren Stationen in einem Dutzend Städten geplant. Die Idee dahinter: eine Neubelebung des historischen Kultur- und Handelsweges Seidenstraße. Ihr Motor: Bruno Baumann, steirischer Wüstenläufer, Bergsteiger, Fotograf, Autor und Filmemacher mit Wohnsitzen in München und Kaindorf.
Nun ist das Projekt - deutlich verschlankt - vorerst auf 2011 verschoben. Dass am kommenden Samstag in Baumanns Heimatort mit dem multiethnischen Silk-road Ensemble und dem Roma-Gitarrero Harri Stojka dennoch der offizielle Auftakt zu "Silkroad Experiences - Roads of Dialogue" gesetzt wird, wirkt fast ein bisschen selbstermutigend.
Endstation
"Ich war wohl ein bisschen naiv", seufzt Baumann, der sowohl Sponsorengelder wie ORF-Aufträge schon weitgehend sichergestellt hat. "Die Speditionsfachleute haben mir glaubhaft gesagt, dass für größere Lkw östlich des Iran allein die Grenzformalitäten wochenlang dauern können." Deshalb sei für den konventionellen Warentransport Teheran auch die Endstation.
Nun will man es etwas graziler anlegen: Vier Geländewagen und zwei Kleintransporter, darunter ein digitalisiertes Media-Mobil, sollen im April 2011 auf Tour gehen. Das Kernteam besteht aus zehn Personen, für 15 weitere Passagiere wird die Möglichkeit geboten, etappenweise zum Selbstkostenpreis mitzureisen.
In den Städten Hamburg, Venedig, Varna, Bukarest, Istanbul, Samarkand, Xian, Peking wird der Konvoi Station machen. Lokale und eingeflogene Künstler sollen für interkulturelle Stimmung sorgen. In der mobilen Event-Jurte wird es Diskussionen zu aktuellen Themen geben: "Speziell in Ländern, die dafür schwierig sind, sollen das Grenzgänge mit der Zensur werden", sagt Baumann und denkt dabei vor allem an östliche Stationen.
Ein Outdoor-Team soll auch den Bezug zu den jeweils umgebenden Landschaften herstellen. Diese kleine Truppe wird bereits heuer die Route erkunden und dabei die Alpen im Ballon überqueren, an der Soa raften, den hohen Pamir mit Mountainbikes erobern et cetera. Zum Finale gibt es einen Cross-Lauf an der Chinesischen Mauer.
"Wir wollen den Kulturraum Seidenstraße, diese frühe Ader einer Globalisierung, neu interpretieren", sagt Baumann. Dokumentiert wird das via Live-Stream, in diversen TV-Beiträgen und in einer Buchpublikation.
Silkroad-Ensemble mit Harri Stojka: 8. Mai, 19.30 Uhr, Naturparkzentrum Grottenhof, Kaindorf/Sulm. Karten: Tel. (0 34 52) 73 22 81
naturparkzentrum-grottenhof.at
www.silk-road-project.org
Features
Zur Person
Bruno Baumann geboren am 10. Januar 1955 in Leibnitz.
Studien der Ethnologie.
Durchquerung der Takla-Makan-Wüste zu Fuß (1989).
Expeditionen in Nepal, Tibet u.a.
Zahlreiche Bücher und Filme.















