Vor 200 Jahren komponierte Beethoven "Für Elise"
1810 komponierte Ludwig Van Beethoven das weltweit berühmte Klavierstück "Für Elise", das ursprünglich offenbar "Für Therese" hieß. Dieser Frau machte Beethoven 1810 einen Heiratsantrag.

Foto © APA
Dideldideldidel-Dideldumm - früher begann so das meistgespielte Klavierstück in den Wohnzimmern, heute ist es einer der beliebtesten Klingeltöne. Jeder Klavierschüler fühlt sich ein bisschen wie Richard Clayderman, wenn er Ludwig van Beethovens "Für Elise" zum ersten Mal halbwegs hinbekommt. Das Stück heißt so, weil Beethovens Notenblatt anno 1810 die Aufschrift trug: "Für Elise am 27 April zur Erinnerung von L. v. Bthvn".
Wenn man romantischen Vorstellungen von Elise anhängt, sollte man ein Quellenstudium tunlichst vermeiden - diese könnte es nämlich gar nicht gegeben haben. Ludwig van Beethoven (1770-1827) war nie verheiratet, wohl ab und an unglücklich verliebt. Eine Elise war nicht dabei. Denkbar ist natürlich, dass Elise eine Art One-Night-Stand war, der in der Geschichte weiter keine Spuren hinterließ. Aber solch eine Bekanntschaft bedenkt man vielleicht eher weniger mit einem Klavierstück in a-Moll. Beethoven war Mittelklasse-Bürger, und sein Anspruch ging ins Höhere.
Die Biografen des Meisters haben längst eine wissenschaftlich trockene Erklärung gefunden: Demnach ist Elise ein Lesefehler. Seltsamerweise tauchte das "Für Elise"-Original erst lange nach Beethovens Tod zum ersten Mal auf. Der Musikwissenschafter Ludwig Nohl (1831-1885) entdeckte es in einem Münchener Privathaus - und verbummelte es anschließend wieder. Herrschende Lehrmeinung ist: Wo Nohl "Elise" las, stand in Wirklichkeit "Therese". Einer Therese von Malfatti machte Beethoven 1810 einen Heiratsantrag, das würde also passen. Man fragt sich nur: Wieso sollte Professor Nohl, der größte Beethoven-Experte seiner Zeit, so schlecht hingeschaut haben?
Der Berliner Forscher Klaus Kopitz kam im vergangenen Jahr nun doch mit einer richtigen Elise, die man sich sogar auf einem Ölgemälde anschauen kann: Nach seiner Überzeugung handelt es sich bei der weltberühmten Unbekannten um die Opernsängerin Elisabeth Röckel (1793-1883), für ihre Freunde Elise. Sie war nachweislich mit Beethoven befreundet. Wie sie erzählte, konnte er es "in der Ausgelassenheit seines rheinischen Naturells" nicht lassen, sie "zu stupfen und zu necken" und "aus lauter Zuneigung immer in den Arm" zu kneifen. Eine von ihr aufbewahrte Haarlocke des Kneifers befindet sich heute im Bonner Beethoven-Haus. Die meisten Experten sind von der Theorie aber nicht überzeugt.
Wieder eine andere Idee kam dem italienischen Forscher Luca Chiantore. Er hat sich acht Jahre mit "Für Elise" beschäftigt und meint: Das Stück ist gar nicht von Beethoven. Laut Chiantore fand Nohl in dem Münchener Privathaus lediglich ein Skizzenblatt und schuf auf dieser Grundlage eine eigene Komposition.
Wie dem auch sei, die Tantiemen dieses einen Werks allein würden Beethoven heute zum x-fachen Millionär machen. Ironie des Schicksals, denn zeitlebens plagten ihn Geldsorgen. Gerade im Elise-Jahr 1810 fluchte er: "Hol' der Henker das Ökonomisch-Musikalische!"















