Von Kaspar zum Kasperl
"Phantasus": Burgis Paier und Günter Brus inszenieren in der Villacher Freihausgasse absurde Schönheit und den Mythos von Kaspar Hauser.

Foto © HirtenfelderBurgis Paier mit ihrem Kasperltheater im Untergeschoß der Galerie Freihausgasse in Villach
Ich liebe den Kitsch des Barocken, die Überschwänglichkeit und Doppelsinnigkeit. Mein Bestreben ist es, absurde Schönheit zu zeigen", sagt Burgis Paier (61) über ihre künstlerische Arbeit. Ein anschauliches Beispiel dafür liefert die gebürtige Klagenfurterin im Souterrain der Galerie Freihausgasse, wo sie ein opulentes "Chinesisches Kasperltheater" in Szene setzte.
In der Tradition barocker Wunderkammern tummeln sich hier unter chinesischen Lampions Skelette und Mickeymäuse, Drachen und Krokodile und vereinen sich zu einem fröhlichen Totentanz, in dem sich mexikanische Bräuche ebenso spiegeln wie Reminiszenzen an einen einmonatigen Peking-Aufenthalt.
Mit ihrem multiethnischen Figurentheater, den liebevoll handgemachten Katalogen und Nähkunstobjekten ist die gelernte Bühnenbildnerin ein kostbarer Solitär in der heimischen Kunstlandschaft. Dies unterstreicht auch ihr düsterer Kaspar Hauser-Zyklus, der in zehn Menschenbildern das Fremd- und Anderssein in der Gesellschaft thematisiert.
Zum Teil mit erlesenen alten Stoffen bekleidet finden die lebensgroßen Figuren ihre Entsprechungen in zehn grafischen Bilddichtungen von Günter Brus. Allesamt Werke, die das befreundete Künstlerduo unter dem Titel "Phantasus" (frei nach einem Lyrikzyklus von Arno Holz) zusammengefasst hat.
Albtraumhafte Fantasien spielen auch eine Rolle in den exzessiven Kunstaktionen des gebürtigen Steirers, in seinen "Torturen" oder "Zerreißproben", von denen in Villach prägnante Fotoserien zu sehen sind.
"Selbstanalyse führt eher zur Selbstverstümmelung als zum ganzheitlichen Denken", heißt es kryptisch auf einem "Kaspar Hauser"-Blatt des 71-Jährigen. Es zeigt eine hockende Figur vor einem Galgen mit Sägemesser-Aufsatz. Künstler haben bekanntlich immer recht. Vor allem dann, wenn sie ihre körperlichen und gesellschaftlichen Grenzen so schonungslos ausgelotet haben wie der Meister der selbstverstümmelnden Selbstanalyse.
Features
Infos
"Phantasus 2010". Günther Brus & Burgis Paier. Galerie Freihausgasse, Villach; Mo. bis Fr. 10-12.30 u. 15-18 Uhr, Sa. 10-12 Uhr; bis 20.5.;
Info: 04242/205-3450.














