Österreichische Nachkriegskunst im Liaunig Museum
Das Liaunig-Museum in Neuhaus/Suha hat sich neu aufgestellt. Rund 350 Werke aus der hauseigenen Sammlung illustrieren die heimische Kunstentwicklung nach 1945.

Foto © Rainer
Bald zwei Jahre ist es her, dass der Industrielle Herbert Liaunig sein Privatmuseum eröffnete. Nach dem viel beachteten Auftakt, bei dem Sammlung und Architektur in gleicher Weise gewürdigt wurden, war es nun Zeit für eine erste Runderneuerung. Ab 1. Mai präsentiert sich das Südkärntner Ausstellungshaus mit einer kompletten Neuaufstellung, die sich ganz auf die Jahre von 1945 bis 1980 konzentriert.
Bei den rund 350 gezeigten Werken handelt es sich laut Baum um "eine präzisierende Ergänzung der Eröffnungsschau", die im nächsten Jahr chronologisch weitergeführt werden soll. Locker nach inhaltlichen, aber auch ästhetischen Gesichtspunkten gegliedert, eröffnet sich dem Besucher ein beeindruckendes kunsthistorisches Panorama, dem nur ein Kapitel fehlt: die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ernst Fuchs & Co. haben Eva und Herbert Liaunig nie gesammelt. Dafür aber (fast) alles andere.
So etwa die "Blockmalzmandln" (Baum) eines Fritz Wotruba samt Schule, die "Maler des Übergangs" wie Herbert Boeckl, Werner Berg oder Anton Kolig, Zeichner wie Hans Fronius und Kurt Absolon, alle wesentlichen Vertreter der Konkreten Kunst (Jorrit Tornquist, Richard Kriesche), Abstrakte und Informelle wie Hans Bischoffshausen, Hans Staudacher und Arnulf Rainer, die Gruppe der "Wirklichkeiten" (Ringel, Pongratz, Jungwirth), Aktionisten wie Brus und Schwarzkogler oder einzelkämpferische Grenzgänger wie Cornelius Kolig und Bruno Gironcoli.
Neben wahren Entdeckungen, darunter die Frühverstorbenen Andreas Urteil, Gottfried Mairwöger und Erich Kurt Brauner, gibt die Ausstellung auch so manche Erkenntnis preis. Etwa, dass Markus Prachensky (und nicht Hermann Nitsch) das Schüttbild erfand. Oder Karl Prantls Monolithe durchaus begrapscht werden dürfen, ja sogar sollen. Im Liaunig-Museum freilich nur von Besuchern ab 12 und gegen Voranmeldung.
Dass Herbert Liaunigs Sammelleidenschaft alle Grenzen sprengt, beweist auch die Tatsache, dass sein Kunsttempel längst zu klein geworden ist. Vorläufig gelöst wurde dieses Problem mit einer pantheonartigen Depot-Erweiterung, womit die Gesamtfläche des Museums bereits mehr als 5000 Quadratmeter beträgt.
Features
Fakten
Museum Liaunig, 9155 Neuhaus 41. Geöffnet von 1. Mai bis 31. Oktober Mittwoch bis Sonntag. Gruppenführungen kosten pro Person 12 Euro. Telefon: +43 (0)4356 211 15.















