"Wir spielen das, was uns gefällt"
Der viel strapazierte Begriff der Weltmusik wird bei Dobrek Bistro wieder zum Credo musikalischer Synergien. Am Freitag spielt Krzysztof Dobrek mit seiner Band im Amthof Feldkirchen.
S ie spielten in Wien als Straßenmusiker. Wie mühsam war die Akademie der Straße?
KRZYSZTOF DOBREK: Ich war sechs Jahre lang auf der Straße, besser gesagt: Sechs Winter habe ich davon gelebt. Die Zeit rechnet man dabei in Wintern wie die Indianer, weil nach jedem Winter braucht man ein neues Instrument. Ein Akkordeon überlebt den Winter auf der Straße nicht, deshalb habe ich damals immer ganz billige Instrumente gekauft. Wie mühsam das war? Sechs Winter.
Kam es Ihnen damals gelegen, dass das in eine Zeit fiel, wo das Akkordeon und die Balkanmusik einen Boom erlebten?
DOBREK: Damals noch nicht. Ich habe vom Akkordeon gelebt, aber da ich kein ausgebildeter Akkordeonist bin, habe ich mich nie mit dem Akkordeon beschäftigt. Ich habe angefangen, Akkordeonmusik zu hören, als ich aufgehört habe, auf der Straße zu spielen.
Sie haben in Polen Klassik studiert und Fagott im Orchestergraben gespielt. Wie gerne?
DOBREK: Ich habe von Anfang an in mehreren Welten gleichzeitig gelebt. Tagsüber war ich mit Klassik beschäftigt, nach Einbruch der Dämmerung bin ich sofort in die Jazzwelt eingetaucht und an den Wochenenden habe ich mein Geld bei Hochzeiten verdient. So lebte ich seit meinem 13. Lebensjahr. Ich war also von jungen Jahren an mit allen Facetten des Musikerlebens konfrontiert, zwischen Konzertsaal, Jazzclub und wirklich ganz hässlicher Kommerzband.
Bei Dobrek Bistro ist stilistisch so viel drin, dass der Begriff Crossover schon zu eng ist. Gibt es dennoch einen Grundsatz?
DOBREK: Ja, und der ist ganz suggestiv: Wir spielen das, was uns gefällt. Ich habe gespielt türkische Musik, französische Chansons, Gypsy, slawische Musik, dann Tango und brasilianische Musik, und mein Traum war immer, eine Band zu haben, wo man selbst alles spielen kann. Ich kontrolliere nicht, was an Elementen da ist oder nicht da ist, sondern ich lasse einfach alles zu, und dadurch, dass wir vier Personen sind und die Arrangements im Proberaum entstehen, hängt alles wechselseitig voneinander ab.
Sie haben sehr viel am Theater gespielt, sind Sie noch irgendwo engagiert?
DOBREK: Heute spiele ich an keinem Theater mehr. Ich war sechs Jahre lang im Burgtheater, und das hat mir sehr viel gegeben. Theater ist eine wunderbare Schule für einen Musiker. Zur Zeit spiele ich außer mit meinen Projekten und sporadisch mit Maria Bill oder Karl Markovics nichts anderes.
Am Freitag kommen Sie mit "Zehn Jahre Dobrek Bistro" nach Feldkirchen. Werden wir bei Ihrem Konzert im Amthof auch neue Stücke hören?
DOBREK: Ja natürlich, aber wir machen keine Programme. Wir sind ständig im Prozess, und die Zuhörer, die uns an diesem Tag hören, hören uns genau zu dieser Stunde. Und übermorgen ist alles anders. Man kann an derselben Stelle in den Fluss gehen, aber nie in das gleiche Wasser. INTERVIEW: OTHMAR KLAMMER
Zehn Jahre Dobrek Bistro: Konzert im Amthof Feldkirchen am 19. März, 20 Uhr. Info und Karten: Tel. (0676) 719 22 50.
www.kultur-forum-amthof.at
Fakten
Krzysztof Dobrek, geb. 1967 in Polen, seit 1990 in Wien. Fagottist, Akkordeonist, Komponist.
Straßenmusiker in der Wiener Kärntner Straße (1990-1996).
Erste Band: Die Steirische Landstreich (2005 aufgelöst).
Gründer und Leader des Quartetts Dobrek Bistro (seit 2000)
Kompositionen für Mnozil Brass, Triology etc.













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