Heimischer Film in Körperpflege
"Klappe!" für die Diagonale in der List-Halle Dienstagabend mit den Preisträgern Klaus Maria Brandauer, Franziska Weisz und Andreas Lust.

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Ungewöhnliche Trophäen für den "Großen Diagonale Schauspielpreis" haben schöne Tradition: 2008 hielt Karl Markovics Erwin Wurms aus Acryl gegossenen Stinkefinger in die Höhe, im Vorjahr fuhr Josef Hader mit einem bemalten Unterrock von Elke Krystufek heim.
Diesmal wurde das Siegeszeichen von Brigitte Kowanz (52) gestaltet, der Staatspreisträgerin 2009. Klaus Maria Brandauer durfte für seine herausragenden Leistungen (nicht nur) im österreichischen Film einen "gezackten silbernen Wurfstern" entgegennehmen, wie eine seiner Kolleginnen die Edelstahl-Skulptur "Outshine" beschreiben sollte.
Frido Hütter, Kulturchef der Kleinen Zeitung und mit Konstanze Breitebner, Gabriele Flossmann und Michael Kreihsl Mitglied der Jury, lobte KMB in seiner Laudatio als kostbare Begabung: "Er hat das Schau-Spiel zum Lebensinhalt und erfüllt es mit oft atemberaubender Qualität. In einem Land, dessen Leidenschaft die radikale Selbstverzwergung ist und wo gesunder Narzissmus gern als Eitelkeit begeifert wird", hätten es Titanen wie er aber nie leicht.
Brandauer verbeugte sich tief und launig: "Ich habe schon mit 46 in Berlin die Goldene Kamera für mein Lebenswerk bekommen. Ich bin also froh, dass meine Heimat den Anstand hatte, bis jetzt zu warten." Großer Jubel.
Mit den Diagonale-Schauspielpreisen (3000 Euro) wurde ein Duo geehrt, das im aktuellen Film "Der Räuber" Herausragendes leistet: Die Jury würdigte Franziska Weisz für deren Hingabe und Wandlungsfähigkeit; die 29-jährige Wienerin wiederum fand es "cool, in meinen Diagonale-Schuhen (High Heels im Zebramuster, Anm.) neben so Großen wie Brandauer zu stehen".
Und Andreas Lust scheint laut Jury "mit seinen Figuren zu verschmelzen: Da ist, wie in ,Der Räuber', nichts zu viel, zu laut oder überflüssig". Der Wiener bedankte sich bei der Diagonale, "die ja so etwas ist wie die Körperpflege des österreichischen Films", und - mit leichtem Wasser in den Augen - auch bei seiner Mutter und seiner Frau, "mein schönster Preis im Leben".
Erfolgswellen
Barbara Pichler verwies in ihrer Eröffnungsrede mit Stolz auf die jüngsten Erfolgswellen des heimischen Films sowie auf die mitbrandende internationale Wahrnehmung und Publikumsakzeptanz. Die Intendantin stellte für die zweite Diagonale, die sie heuer verantwortet, aber auch Fragen nach den Aufgaben von Filmfestivals: "Im Kern geht es um die Liebe zum Kino mit all seinen Ausdrucksformen."
Festivals müssten jedoch mehr denn je Filme begleiten, kommentieren, unterstützen, denn das Kino werde "gerade in Zeiten der Bedrohung durch technologische Umbrüche als Ort der Begegnung gebraucht". Filme seien starke Kommunikationssysteme, um über gesellschaftlich Relevantes zu diskutieren. Zudem brauche es Vielfalt und die Aufhebung des "unsinnigen Gegensatzpaars Kunst und Kommerz".














