Studien auf der Insel
Javier Marias ist kein leicht konsumierbarer Autor. Das neue Buch ist tauglich für Insel-Exile.
"Mein Herz so weiß" geliebt, "Morgen in der Schlacht denk an mich" verschlungen – und ihn dann irgendwann aus den Augen verloren. Mit dem spanischen Autor Javier Marias kann es einem leicht ergehen wie mit einem geschätzten Menschen: Man mag ihn zwar noch immer, aber die Beziehung ist mühsam geworden. Zu verzwurbelt, zu kopflastig. Nicht, dass Literatur so leicht konsumierbar sein muss wie ein Pausen-Snack. Bücher dürfen ruhig im Magen liegen bleiben. Aber Autoren dürfen sich dann nicht wundern, wenn der eine oder andere Rülpser hoch kommt.
Geistesriese
Der neue Marias also. Ein 700- Seiten-Brocken, der letzte Teil einer Trilogie, die mit "Fieber und Lanze" begann, sich mit "Tanz und Traum" fortsetzte und jetzt mit "Gift und Schatten und Abschied" abschließt. Ein Geistesriese, dem Bescheidenheit fremd ist. Seht her, wie groß und mächtig und gescheit ich bin, sagt der Riese. Und der Leser erstarrt in Ehrfurcht. Das Feuilleton ist ohnehin schon längst erstarrt.
Die Handlung? Schwer zu sagen. Jaime Deza arbeitet für den britischen Geheimdienst. Er entschlüsselt die Gesichter seiner Mitmenschen und kann so auf ihr zukünftiges Handeln schließen. Ein Buch für die Insel. Sofern man dort zu Studienzwecken weilt.













