Wut statt Demut bei Philipp Roth
Nach der "Empörung" die "Demütigung". Auch in seinem neuen Roman schreibt Philip Roth mit archaischer Wucht gegen das Altern und den Tod an.
Es ist müßig, sich darüber zu wundern, warum der große US-Autor Philip Roth den Literaturnobelpreis noch immer nicht erhalten hat. Ebenso müßig ist es, sich zu fragen, wie viel Autobiografie in seinen Romanen steckt. Roth schreibt Autofiktion. Das muss reichen. Die Grenzen zwischen Figuren und Schöpfer verschwimmen, sind schon immer verschwommen. Es gibt Bücher des Schriftstellers Philip Roth, in denen eine Romanfigur mit dem Namen Philip Roth auftaucht – und plötzlich wieder verschwindet. Das ewige Spiel mit der alten Frage, Roth liebt es: Wie viel Odem von mir steckt in meinen Geschöpfen? Und: Welche Rolle spielt das überhaupt in der Literatur? Keine!
Die Geschichte
Der Schriftsteller, Egomane, Erotomane Philip Roth ist 77 Jahre alt, lebt zurückgezogen auf einer Farm in Connecticut und ringt mit den Schrecknissen des Älterwerdens und der ultimativen Zumutung – dem Sterben. Simon Axler ist Schauspieler, älter als 60 und davon überzeugt, seinen Bühnenzauber verloren zu haben. Er lebt zurückgezogen auf einer Farm, denkt nur noch an Selbstmord und erlebt in der Affäre mit einer lesbischen, 25 Jahre jüngeren Frau einen letzten sexuellen Frühling.
Axler ist die Hauptfigur in Roths neuem Roman "Die Demütigung". Am Schluss des Buches wird das geschehen, was der Leser bereits auf der ersten Seite ahnt: Simon Axler entflieht der letzten Demütigung in seiner Existenz dadurch, dass er seinem Leben selbst ein Ende setzt. "Jedermann", "Exit Ghost", "Empörung". So die Titel der letzten Romane von Roth. Sie alle handeln von den letzten Dingen, den letzten Verletzungen, dem letzten Aufbäumen dagegen. Der sprachliche Ton, mit dem der Autor all diesen unausweichlichen Zumutungen zu Leibe rückt, wird mit jedem Werk schneidender, knapper, exakter.
Kein Jammern
Die Zeit des großen, ausschweifenden Selbstmitleides ist vorbei; die Roth?schen Männer wissen, dass sie am Abgrund stehen. Darüber sind sie zwar unendlich wütend, aber sie jammern nicht mehr. Und es ist diese unglaubliche Souveränität, die das Alterswerk von Roth durchzieht und die bewirkt, dass auch die Sicht des Lesers milde und gelassen wird. Niemand wird entkommen. Der Autor nicht, seine Figuren nicht, der Lesende nicht. Dieses Wissen erzeugt ein eigenartiges Gefühl von Solidarität. Und von Zärtlichkeit.
Er schreibe Männerliteratur, wird Roth immer vorgeworfen. Was für ein grandioser Unsinn! Er schreibt Menschenliteratur.













