63-Jahre-danach: Zeichen der Erinnerung geben zu denken
In Graz wurde am Samstag zum Abschluss von "63 Jahre danach" an elf Plätzen Tafeln zur Erinnerung an den NS-Machtmissbrauch aufgestellt.

Foto © Marija KanizajJochen Gerz war am Samstag beim Abschluss von "63-Jahre danach" in Graz
Mitläufer am Freiheitsplatz", "Hitlers Besuch", "Kein Zutritt zu jüdischem Geschäft", "Gasspür- und Entgiftungstrupp (Übung)" oder "Schulklasse als Anschlusswahllokal". So lauten einige der Titel der elf Bild-Text-Tafeln, die am Samstag als Abschluss des Projekts "63 Jahre danach" an elf Grazer Plätzen der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Am Donnerstag und Freitag wurden in acht steirischen Gemeinden ebenfalls solche Tafeln enthüllt.
Nicht so sehr die vielfach abgebildete erhobene rechte Hand des SSlers wollte der deutsche Künstler und Projektentwickler Jochen Gerz thematisieren, sondern Bilder aus dem Alltag der Menschen. Von Lesern der Kleinen Zeitung ausgewählt und von steirischen Landtagsabgeordneten mit einem kommentierenden Text versehen, sollen die Bild-Text-Tafeln Denkprozesse in Gang setzen und kein klassisches Denkmal darstellen.
Direkt vor Augen
"Diese Denkmäler ,stehen im Weg', sind direkt vor den Augen, man muss sie nicht mit dem Feldstecher suchen", meinte Werner Fenz anlässlich des Eröffnungsrundganges. Sein "Institut für Kunst im öffentlichen Raum" war mit der Umsetzung des Projektes "63 Jahre danach" betraut.
Gerz selbst, der 1996 in Graz mit seinem Projekt "Die Gänse vom Feliferhof" Ablehnung erfuhr, betonte am Samstag." Vier Gemeinden und die Wirtschaftskammer lehnten Tafeln ab (wir berichteten), das zeige die "Arbeit der Wirklichkeit", den "Stachel des Kunstprojektes".
Warum kommen diese Erinnerungszeichen so spät? Diese Frage tauchte während des gestrigen Tafel-Rundganges immer wieder auf. Vor 15 Jahren wäre das Projekt noch nicht möglich gewesen, meint Gerz. Es bedurfte des Anstoßes der KPÖ, deren diesbezüglicher Antrag vor zwei Jahren immerhin von allen Parteien Zustimmung erfahren hat.
Eine Antwort versuchte SP-Kulturlandesrätin Bettina Vollath zu finden: "Es bedurfte eines Paradigmenwechsels und einer höheren Sensibilität." Auch für den Historiker Heimo Halbrainer hat es mit einer "Aufweichung seit den 1980er-Jahren" zu tun. VP-Klubchef Christopher Drexler rühmt das Projekt, das nicht abstrakt sei, sondern Bilder der konkreten Geschichte zeigt.
















