Schmerzensmann der Musik
Vor 150 Jahren wurde Hugo Wolf in Slovenj Gradec geboren. Seine Alchemie von Musik und Poesie war Spiegel seines tristen Lebens. Einen Teil seiner Schulausbildung erhielt er in St. Paul.

Foto © CarinthiaDas alte Klagenfurter Stadttheater, in dem der 8-jährige Wolf Donizettis "Belisario" hörte
Es ist natürlich vermessen zu vermuten, dass Hugo Wolf kein bedeutender Komponist geworden wäre, wäre er nicht 1868 im Stadttheater Klagenfurt gesessen. Aber immerhin hat den achtjährigen Knaben die Aufführung von Donizettis "Belisario" tief beeindruckt. Frank Walker schreibt etwas schwülstig in seiner 1953 erschienenen Hugo Wolf-Biografie: "Überwältigt von der Zauberwelt des Theaters und gefesselt von Musik und Bühnenhandlung, folgte er vom ersten Augenblick an wie gebannt der Aufführung, gab keine Antwort, wenn man zu ihm sprach, und so sehr prägte sich ihm die Musik ein, dass er später imstande war, ganze Teile davon aus dem Gedächtnis auf dem Klavier wiederzugeben."
Hugo Wolf hat bereits als Fünfjähriger Klavierunterricht bekommen, weil sein Vater, der in Slovenj Gradec ein Lederhandwerk betrieb und selbst ein begeisterter Amateurmusiker war, früh die musikalische Begabung des Sohnes erkannte. In der Schule hatte der Sohn einer slowenischsprachigen Mutter allerdings so seine Probleme. Das Gymnasium in Graz musste er bereits nach dem ersten Jahr wegen "ganz ungenügender Leistung" verlassen und wechselte nach St. Paul ins Stiftsgymnasium. Musikalisch wurde dort für den begabten Jungen bestens gesorgt: Sein Lehrer Pater Sales Pric bestellte für ihn Potpourris aus Opern von Bellini, Rossini, Donizetti und Gounod und Hugo durfte als einziger Schüler an Wochentagen in der Messe die Orgel spielen. Außerdem wurde ein Trio gebildet, zu dem immer wieder Vater Philipp Wolf stieß, wenn ihn dessen Geschäftsreisen in die Nähe von St. Paul führten.
Aufbrausend
Mit den Lehrern kam Hugo Wolf, der heute neben Franz Schubert als bedeutendster Liederkomponist gilt, allerdings immer weniger zurecht, galt er doch als aufbrausend, jähzornig und aufsässig. Das Lernen für Fächer, die ihn nicht interessierten - insbesondere Slowenisch und Latein - verweigerte er und Pater Sales fühlte sich gezwungen, an den Vater deutliche Worte zu schreiben. Den Brief zeigte er vorher seinem Schüler: "Ich sah an Hugo gar keine Veränderung - er bat nicht um Vergebung, sondern, nachdem ich ausgelesen, machte er rechtsum und ging, als wenn gar nicht wäre." Allerdings schrieb Hugo Wolf seinerseits an den Vater und versuchte in dem Brief, datiert mit 5. Juni 1873, sein Verhalten zu relativieren: "Von meinem Benehmen schreibt er, dass ich stolz, trotzig, eigensinnig usw. sei. Ich kann gar nicht begreifen, wann er sich dies ausgetüpfelt hat." Bald darauf teilte Pater Sales dem Vater mit, dass Hugo in Latein durchfallen würde und riet - sollte man an einen Schulwechsel denken - dazu, ihn selbst abzuholen: "Ich fürchte, der Knabe könnte sich etwas antun, wenn er nicht durchkommt. Er ist sehr leidenschaftlich."
Im Herbst 1873 wechselte Hugo Wolf nach Marburg ans Gymnasium, wo er nicht viel mehr Erfolg hatte. Zwei Jahre später erlaubte ihm der Vater, ans Wiener Konservatorium zu gehen, wo er gemeinsam mit Gustav Mahler studierte. Später sollte er über diese Zeit sagen, er hätte "mehr vergessen als gelernt". Er blieb ohnehin nicht lange: Bereits 1877 flog er wegen eines Scherzes in Form eines Drohbriefes an den Rektor, der ihm zugeschrieben wurde. Seinen folgenreichsten Fehltritt setzte Wolf aber als 18-Jähriger, als der unglücklich Verliebte im Wiener Bordell Lehmboden Trost suchte und sich dabei die Syphilis holte.
Ab 1884 schrieb Wolf, der sich bis dahin vor allem mit Klavierstunden über Wasser gehalten hatte, für die Wiener Boulevardzeitung "Salonblatt" beißende Musikkritiken, in denen er Wagner ebenso glühend verehrte, wie Brahms verachtete. Ab 1887 widmete er sich nur mehr der Komposition, eine intensive Schaffensperiode folgte. Allein in den Jahren 1888 und 1889 festigten 53 Mörike- und 51 Goethe-Vertonungen sowie zwanzig Lieder nach Gedichten von Eichendorff seinen Ruf als so eigenständigen wie wegweisende Spätromantiker. Vor allem die lebendige Ausdrucksstärke und Originalität seiner Werke, die er stets in den Dienst der Poesie stellte, begeistern bis heute Interpreten wie Dietrich Fischer-Dieskau oder Elisabeth Schwarzkopf. Seine Oper "Der Corregidor" wurde 1896 in Mannheim mit einigem Erfolg uraufgeführt.
Umnachtet
Finanzielle Sicherheit war ihm allerdings nie gegönnt, auch die Veröffentlichung seiner Lieder durch den Schott-Verlag brachte ihm zwar Ansehen, aber kaum Geld ein. Diese Schwierigkeiten haben ihm sicherlich zugesetzt, dazu kam sein nervöses Temperament. Vor allem aber waren es die Folgen der Syphilis, die 1897 eine Einweisung in eine Nervenheilanstalt notwendig machten. Es folgte ein Selbstmordversuch und die erneute freiwillige Einweisung in eine Anstalt, wo er 1903 umnachtet verstarb. Er wurde in einem von Edmund Hellmer entworfenen Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof begraben.
Buchtipp: Anton Fuchs: Auf ihren Spuren in Kärnten. Alban Berg - Gustav Mahler -Johannes Brahms - Hugo Wolf - Anton Webern. Verlag Carinthia 2005
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Hugo Wolf als 14-jähriger, zu der Zeit war er Schüler in St. PaulFoto © Hugo Wolf als 14-jähriger, zu der Zeit war er Schüler in St. Paul
Hugo Wolf als 14-jähriger, zu der Zeit war er Schüler in St. PaulGrafik © Hugo Wolf als 14-jähriger, zu der Zeit war er Schüler in St. Paul
Zur Person
Hugo Wolf, geb. 13. März 1860 in Slovenj Gradec, gest. 22. Feb. 1903 in Wien. Gilt nach Franz Schubert als bedeutendster Liedkomponist und wegweisender Spätromantiker.
Lieder: vertonte zahlreiche Gedichte von Eduard Mörike, Joseph von Eichendorff und Goethe. Außerdem "Spanisches Liederbuch" (nach Paul Heyse und Emanuel Geibel") und "Italienisches Liederbuch" (nach Paul Heyse).
Weitere Werke: "Der Corregidor" (Oper, uraufgeführt 1896); Bühnenmusik für Ibsens "Das Fest auf Solhaug" (1890/91); dazu Kammermusik und Orchesterwerke













