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Zuletzt aktualisiert: 12.03.2010 um 22:11 UhrKommentare

In den neuen Schatzkammern des Landes

In einer beispiellosen Übersiedelungsaktion wurden 1,7 Millionen Objekte unter höchster Geheimhaltung aus den Joanneum-Gebäuden in die neuen Depots in Graz-Andritz überstellt.

Die beiden Joanneum-Chefs Wolfgang Muchitsch (links) und Peter Pakesch präsentieren eine Tizian-Kopie aus dem 17. Jahrhundert

Foto © N. LACKNER/ JOANNEUM Die beiden Joanneum-Chefs Wolfgang Muchitsch (links) und Peter Pakesch präsentieren eine Tizian-Kopie aus dem 17. Jahrhundert

Der erste Teil des neuen Joanneums-Viertels geht in Funktion", freuen sich Peter Pakesch und Wolfgang Muchitsch, Intendant und Direktor des Universalmuseums Joanneum, bei einer ersten Führung mit Kulturlandesrätin Bettina Vollath durch die neuen Depots.

Wie in einer geheimen Kommandoaktion waren in den letzten fünf Monaten 1,7 Millionen Objekte in rund 500 großen Lkw-Fuhren aus den Joanneum-Gebäuden in der Rauber- und Neutorgasse in das neue Studien- und Sammlungszentrum (SSZ) in Graz-Andritz geschafft worden.

"Bei den Transporten wurden ganz besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen", schildert Johann Pall, Sicherheitsbeauftragter des Joanneums, wortkarg. "Wir haben jede Route unterschiedlich angelegt. Gott sei Dank ist nichts passiert." Details verrät er nicht, sicher ist sicher.

Nachdem der ursprüngliche Plan des neuen Museums-Quartiers ja redimensioniert werden musste, kam nun Plan B zum Zug - und die LIG (Landesimmobiliengesellschaft) wurde im ehemaligen Zentralauslieferungslager der Firma Stiefelkönig fündig.

"Normalerweise kommen die Depots der Museen meist zu kurz, man steckt alles in die Ausstellungsfläche", erläutert Pakesch. "Hier ist es großartigerweise einmal umgekehrt, die Depots sind schon vor dem Museumsumbau fertig und können benützt werden."

Auf einer Fläche von knapp 4000 Quadratmetern werden die Objekte unter idealen konservatorischen Bedingungen gelagert. Wenn hier so nüchtern von "Objekten" die Rede ist, muss man sich stets vor Augen halten, dass damit wahre Schätze gemeint sind - von Egon Schiele über Wilhelm Thöny bis zu einer Tizian-Kopie aus dem 17. Jahrhundert. Von den 50.000 Blättern der Grafik-Sammlung, 3500 Fotografien und 18000 Plakaten sowie den Plastiken der Alten und Neuen Galerie ganz zu schweigen.

Für Holzwürmer verboten

"Sämtliche Skulpturen wurden mit Stickstoff behandelt, um den Holzwurm nicht einzuschleusen", heißt es. Sogar ein eigener Quarantäneraum wurde eingerichtet. Überhaupt wird Sicherheit ganz groß geschrieben: Mit Ausnahme der Regenwasserabflussleitungen wurden sämtliche wasserführenden Rohre aus den Depots entfernt. Auch die hochmoderne Brandmeldeanlage ist ohne Sprinkler ausgestattet, und die neueste Sicherheitstechnik ist rund um die Uhr aktiv.

"Somit sind ideale Bedingungen geschaffen, um die kulturellen Schätze des Landes für uns und für zukünftige Generationen nicht nur zu bewahren, sondern auch optimal aufzuarbeiten", betont Vollath. "Das ist das erste kräftige Lebenszeichen unseres aufblühenden neuen Kulturbe-zirks, des Joanneumsviertels."

ROBERT ENGELE

DIE JOANNEUM-DEPOTS

Fläche Depots: 3.796 m2

Fläche Werkstätten: 1.536 m2

Fläche Verwaltung: 778 m2

Nebenflächen: 220 m2

"Universalklima": 50 % Luftfeuchtigkeit, 22 Grad Celsius

"Sonderklimazonen": 45 % und 3 Grad Celsius

Objekte Natur: 1.630.000

Objekte Kunst: 58.500

Kostenanteil SSZ Natur: 4.781.000 Euro (inklusive Ankauf, Nebenkosten, Baukosten)

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