Ein Leben im Kosmos der Skulptur
Gironcoli starb am Samstag Abend nach langer, schwerer Krankheit in Wien. Er war ein großer Einzelgänger der österreichischen Kunstszene und Schöpfer organischer Skulpturmaschinen.

Foto © APA"Ich bin ein Tier": Bruno Gironcoli zwischen seinen mit menschlichen Leidenschaftn bepackten Giganten
Die letzten Skizzen fertigte er unter Schmerzen, so wie die Kunst sein Leben war, bedeutete sie wohl auch seinen Tod: Die giftigen Dämpfe der von ihm verwendeten Materialien hatten Bruno Gironcoli über die Jahre zugesetzt. Eine schwere Tumorerkrankung sowie die stete Sorge um den Verbleib seines eigenwilligen, irritierenden Werkes hatten den Kärntner Bildhauer zusätzlich mürbe gemacht. In der Nacht auf Samstag ist der radikale Schöpfer eigener Kunstwelten in Wien gestorben. Fürchten musste man schon lange um ihn.
Keine Kompromisse
Mit Bruno Gironcoli verliert Österreich einen großen Einzelgänger, der bei der Arbeit keine Kompromisse kannte und dessen bildhauerisches Werk unverkennbar und unübersehbar dasteht. Die gigantischen Ausmaße seiner Objekte erschwerten auch Gironcolis Suche nach einem geeigneten Aufbewahrungsort. Das vom Land Kärnten wiederholt versprochene, stets aufs Neue gescheiterte Gironcoli-Museum ist eines der beschämendsten Kapitel der hiesigen Kulturpolitik.
Seit 2004 beherbergt Schloss Herberstein in der Oststeiermark 35 seiner skulpturalen Wesen sowie über 400 afrikanische Masken und Skulpturen, die Gironcoli gesammelt hat - ohne je in Afrika gewesen zu sein. "Eigentlich bin ich ein Tier, das in eine andere Gegend passt, nicht zwischen Löwen und Affen", reagierte der Künstler zunächst skeptisch auf Herberstein. Ebenfalls 2004 entstand die öffentlich zugängliche Privatsammlung Gironcoli-Kristall im Strabag-Haus des Industriellen Hans Peter Haselsteiner auf der Wiener Donauplatte.
Barocke Symbole
Bruno Gironcoli, 1936 in Villach geboren, begann in Innsbruck eine Goldschmiedelehre, ehe er sich der Kunst verschrieb. Nach dem Studium an der Akademie für angewandte Kunst in Wien bezog er in Paris den wichtigsten künstlerischen Impuls aus der Arbeit Alberto Giacomettis. In den 1960ern experimentierte er mit Holz, Nylon, Eisen, Aluminium, Glas-Pech und Draht. In den 1970ern versuchte er mit Putzutensilien, Besteck und Steckdosen "Gebilde zu erzeugen, die menschliche Umrisse zeigen", ehe er seine Arrangements zu Skulpturen mit barocker Symbolik verdichtete: maschinenartige Altäre, Raumschiffe aus ferner Zeit und fantastische Streitwagen, allesamt bepackt mit menschlichen Leidenschaften.
Von 1977 bis 2004 Leiter der Meisterschule für Bildhauerei in Wien, beeinflusste Gironcoli Künstlergenerationen. Seinem hohen Stellenwert entsprechend reagierten Politiker vom Kanzler abwärts tief betroffen auf den Tod des Bildhauers.

















