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Zuletzt aktualisiert: 09.02.2010 um 11:12 UhrKommentare

Festspiel-Skandal: Aufträge gegen Schmiergeld?

Ein Salzburger Unternehmer berichtet von erhöhten "Trinkgeldern", die später zu unverschämten Geldbeträgen angewachsen sind. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ist froh, dass sich die langjährigen Gerüchte endlich bestätigten.

Helga Rabl-Stadler (r.) und der kaufmännische Direktor Gebert Schwaighofer

Foto © APAHelga Rabl-Stadler (r.) und der kaufmännische Direktor Gebert Schwaighofer

In der Salzburger Festspielaffäre sind neue Vorwürfe aufgetaucht: Ein Salzburger Unternehmer sagte Montagabend im "Salzburg heute"-Interview, er habe einem Mitarbeiter der Sommerfestspiele Schmiergeld zahlen müssen. Der Unternehmer, der anonym bleiben will, berichtete, dass er bei einem Festspielmitarbeiter (es handelt sich nicht um Klaus Kretschmer, Anm.) Körberlgeld habe zahlen müssen, um Aufträge zu bekommen oder zu behalten. Zuerst seien es nur erhöhte Trinkgelder gewesen, dann unverschämte Geldbeträge, berichtete der Unternehmer im ORF.

Die Salzburger Festspiele engagieren viele Fremdfirmen, um etwa die aufwendige Bühnentechnik bewerkstelligen zu können. Um diese Aufträge kümmert sich die technische Abteilung des Festivals. "Ich war seit langer Zeit - etwa 15 Jahren - Lieferant der Salzburger Festspiele in der Technik", schilderte der Unternehmer im "Salzburg heute"-Interview. "Es hat, glaube ich, nie Probleme gegeben. Auf jeden Fall ist mir nie etwas zu Ohren gekommen - weder dass ich zu teuer war noch zu unzuverlässig oder sonst irgendetwas. Ich habe mich auch immer bemüht, die Salzburger Festspiele so zu betreuen, wie es sich gehört."

Allerdings habe es in den "letzten Jahren da einen Herrn gegeben, da war eine Auftragsvergabe schon immer mit einem - nennen wir es einmal so - ein bisschen erhöhten Trinkgeld verbunden". Die "erhöhten Trinkgelder" definierte der Unternehmer im ORF so: "Früher waren es einmal ein, zwei Hunderter für die Mannschaft oder einmal ein Fass Bier oder so etwas. Und dann hat ein gewisser Herr gewisse Rechte in der Firma bekommen", erinnerte sich der Unternehmer. "Und der ist unverschämt geworden. Die Größenordnung ist so gewesen, dass sie für mich nicht finanzierbar war. Und ich habe dann gesagt: Wir lassen das Ganze. Das ganze Geschäft war dann halt vorbei."

"Kam immer 'zufällig' zum Abkassieren vorbei"

Die Gelegenheiten, bei denen der Festspielmitarbeiter mehr Geld verlangt habe, beschrieb der Unternehmer so: "Bei größeren Investitionen nicht, denn da sind sie ja meistens zu zweit oder dritt gewesen. Aber derjenige ist dann halt die nächsten paar Tage so rein zufällig bei mir vorbeigekommen. Und irgendwann bin ich einmal explodiert und habe gesagt, ich mag nicht mehr - aus, es gibt nichts. Von da an war ich weg", so der Unternehmer im Interview.

Rabl-Stadler froh über Bestätigung langjähriger Gerüchte

Der ORF wollte am Montag Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler mit dem Gesprächsinhalt konfrontieren. Sie war gerade auf dem Weg nach Wien, sagte aber am Telefon, dass sie froh darüber sei, dass sich endlich jemand gemeldet habe, der langjährige Gerüchte bestätige. Gleichzeitig verwies Rabl-Stadler aber auch auf den Kaufmännischen Direktor der Festspiele, Gerbert Schwaighofer, weil sie mit dem Bestellwesen nichts zu tun habe. Schwaighofer ist zurzeit allerdings auf Urlaub und zur Zeit nicht erreichbar.

Präsidentin Helga Rabl-Stadler sagte gegenüber den "Salzburger Nachrichten", sie hege keine Zweifel an der Loyalität der Protokollchefin. Sie hätte für die Osterfestspiele gearbeitet, doch dies widerspreche nicht deren Dienstpflichten für die Salzburger Festspiele. Behauptungen, besagte Dame habe von den Osterfestspielen unrechtmäßige Provisionen erhalten, wurden von der Präsidentin zurückgewiesen. Wenn sie von 2003 bis 2005 Veranstaltungen für Sponsoren und Mäzene der Osterfestspiele organisierte, finde sie daran "nichts Anrüchiges", betonte Rabl-Stadler in den "SN". Allerdings sei man 2005 übereingekommen, diese Eventorganisation für die Osterfestspiele zu beenden, um etwaige Unvereinbarkeiten zu vermeiden.


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