Gewinnerin des Kärntner Architekten Würdigungspreis im Interview
Eva Rubin, jüngste Baukultur-Preisträgerin des Landes, über wahren Luxus, Katastrophenbauten und ihren Traum vom "4. Weg" zum See.

Foto © kkSozialer Wohnbau Marke Rubin (Tigring bei Moosburg)
Sie haben jüngst den Kärntner Würdigungspreis für Architektur erhalten. Was unterscheidet Sie von Ihrem Vater Roland Rainer, der den Preis vor einigen Jahren brüsk abgelehnt hatte?
EVA RUBIN: Mein Vater hat den Preis abgelehnt, weil er in Kärnten nie etwas realisieren konnte und er deshalb die Würdigung seiner Arbeit als Farce empfunden hat. Der Auftrag für den Universitätsbau wurde ihm in Aussicht gestellt - das Vorstufengebäude erinnert daran -, aber schlussendlich hat eine Klagenfurter Architektengruppe den Zuschlag erhalten. Sein Projekt wäre eine Art "Cambridge Campus" mit viel Wasserflächen und Seebezug geworden. Mein Vater hat für Klagenfurt auch eine Verkehrslösung ausgearbeitet und sogar eine Stadthalle entworfen. Alle diese Arbeiten wurden nicht positiv angenommen. Warum hätte er sich also ehren lassen sollen, wenn man ihn doch nie haben wollte? Das unterscheidet mich insofern von meinem Vater als sich die Preisverleihung auf die von mir ausgeführten Arbeiten in Kärnten beziehen konnte.
Sie hatten zu Ihrem Vater eine eher schwierige Beziehung. Inwieweit verdanken Sie ihm Ihren Beruf?
RUBIN: Durch seine Ausschließlichkeit in der Berufsauffassung war natürlich auch das Privatleben von Architektur geprägt. Mein Vater hat bei uns zu Hause immer wieder Diavorträge für junge Kollegen gehalten. Ich habe mich als kleines Mädchen, anstatt schlafen zu gehen, oft dazu geschlichen und dadurch mein "Architekturstudium" in dieser Zeit begonnen. Auch Begegnungen mit Künstlern wie Fritz Wotruba oder Oskar Werner, die bei uns zu Gast waren, haben mich vermutlich beeinflusst.
Sie haben sich immer wieder kulturpolitisch zu Wort gemeldet. Zuletzt bei der Kulturpreisverleihung in Ossiach, wo Sie die Architektur der Hypo-Zentrale kritisierten. Können Sie sich präzisieren?
RUBIN: Hinter jeder gewählten Form steht eine bestimmte Haltung. Die Haltung hinter dem Hypo-Gebäude ist nichts anderes als demonstrierte Dominanz mit allen Mitteln: Rücksichtslos gegenüber ökologischen Problemen, gegenüber den Nutzern und der Nachbarschaft. Es inszeniert eine Modernität, die sich bei genauer Betrachtung als altmodisch und barock erweist, sich nur auf formales Ornament beschränkt. Die wahren Fragen der Zeit: Energie, Kosten und Stadträumlichkeit wurden ignoriert.
Wie lautet Ihre Antwort auf diese Art von Repräsentationsarchitektur?
RUBIN: In meiner Architekturauffassung verschwindet das Haus in der Landschaft. Vieles, dass sich stark nach außen zeigt, ist ja Stress. Den Anspruch, dass Architektur nach innen entstehen soll, hatten schon die Asiaten. Die reichen Chinesen haben ihre Teeschalen, die aus Gold getrieben waren, schwarz lackiert. Das heißt: Sie haben gewusst, sie trinken aus einer Goldschale. Aber das hat niemand anderer wissen müssen. Das ist für mich die edelste Art des Luxus. Es gibt natürlich Architekturaufgaben, wo dieses Nachaußentreten gefordert ist. Etwa bei einem Stadion.
Sie haben selber einmal eines entworfen. Wofür eigentlich?
RUBIN: Es wurde mir als Thema für die Diplomarbeit zugewiesen. Die Aufgabe war für mich eine Herausforderung, noch dazu habe ich kein besonderes sportliches Interesse.
Haben Sie jemals versucht, Ihre Pläne zu realisieren?
RUBIN: Ich habe kurz gedacht, dass es schön gewesen wäre, wenn man es in Klagenfurt gemacht hätte. Weil es auch genau die geforderte Größe gehabt hätte.
Wie sehen Sie die Beziehung zwischen Architektenschaft und Kärntner Öffentlichkeit?
RUBIN: Diese Frage haben bereits die Herren Achleitner und Kapfinger beantwortet: "Es wird immer besser". Ich war gerade in der Gemeinde Magdalensberg Jurorin bei einem Wettbewerb, wo es um einen kleinen Kindergartenanbau geht. Dort hat man kapiert, dass Architektur einen Mehrwert schafft. Auch der Private kann zu drei, vier Architekten gehen und sich gegen geringes Geld einen Entwurf machen lassen.
Was würde ein solcher bei Ihnen kosten?
RUBIN: Die Ideenskizze für ein Einfamilienhaus kostet zirka 500 Euro. Die erste Beratungsstunde ist ohnehin gratis.
Sie haben in Klagenfurt die Musikschule geplant, in Knappenberg die Carinthische Musikakademie sowie diverse Wohnsiedlungen realisieren können. Gibt es ein Herzensprojekt, das Sie unbedingt noch bauen möchten?
RUBIN: Ja. Es ist der Steg entlang des Lendkanals, wie ich ihn schon 1999 geplant habe. Diesen "Vierten Weg" zum See würde ich gerne machen. Ich glaube, dass Klagenfurt so viele Nutzungsqualitäten unausgeschöpft lässt. Diese Stadt ist mit ihrer Kleinmaßstäblichkeit gemacht für das angenehme Leben. Dazu gehört im speziellen auch der Lendhafen und die Möglichkeit direkt auf diesem Steg am Wasser entlang zum See zu spazieren. Klagenfurt braucht keine Events und kein Großstadtgehabe. Es ist eine kleine ländliche Hauptstadt, in der man einfach gerne lebt.

















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