50. Todestag von Albert Camus
Gebührende Renaissance für den Philosophen, der zum scharfen Analytiker des (Un-)Menschlichen wurde: Vor 50 Jahren starb Albert Camus.

Foto © APSchriftsteller und Philospoh Albert Camus
Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Straßenecke anspringen", schrieb Albert Camus.
Nichts ist absurder als der plötzliche Tod. Und im Falle des französischen Schriftstellers und Philosophen zeigte er sich besonders aberwitzig. Camus starb exakt heute vor 50 Jahren auf einer schnurgeraden Landstraße im Burgund, als das Auto des Neffen seines Verlegers einen Reifenplatzer hatte und gegen die einzige Platane weit und breit schleuderte. "Dieser Wagen ist ein Grab", sagte ein Mann vom Abschleppdienst erschüttert. Im Mantel von Camus, der Autofahrten hasste und von seinem Landhaus in Südfrankreich eigentlich wie seine Frau und seine beiden Kinder per Bahn nach Paris zurückreisen wollte, sich aber zur Mitfahrt überreden hatte lassen, fand man die unbenützte Zugkarte.
"Eine bittere philosophische Ironie", nannte es die New York Times im Nachruf auf jenen Mann, der das Absurde zum Kern seiner Philosophie formte - die Erkenntnis, dass der Mensch aus allem Leid und Elend keinen Sinn erfahren könne, außer "dass man sich nicht damit abfindet". So, wie in seinem Essay "Mythos des Sisyphos", in dem der bestrafte Held seinen Stein nicht sinnlos immer wieder vergeblich Richtung Gipfel rollt, sondern gerade erst dadurch seine Würde und Freiheit findet. "Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen".
Camus wurde als Sohn einer Analphabetin in Algerien geboren; Albert war erst ein Jahr alt, als sein Vater, Fuhrmann einer Weinkellerei, auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs fiel. Trotz widrigster Lebensumstände und einer beinahe tödlichen Tuberkulose schaffte es das Armenkind aus der Kolonie durch Bildung in die Intellektuellenkreise von Paris.
Widerstand
Schon als Philosophie-Student politisch aktiv, war Camus in der Résistance tätig. Nach der Nazi-Okkupation stieg der scharfe Analytiker des (Un-)Menschlichen neben Jean-Paul Sartre zum führenden Existenzialisten auf. Weil er aber Lagerdenken und Ideologien ebenso ablehnte wie Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele, Francos Faschismus-Keule und Stalins totalitäre Eisenhand gleich wertete, überwarf er sich bald mit dem weit radikaleren Sartre, der ihn als "Humanisten aus der Republik der schönen Seelen" verspottete und ihm "Rotkreuz-Moral" vorwarf.
Auch die Zuerkennung des Literatur-Nobelpreises 1957 für seine "hellsichtige Ernsthaftigkeit" in Werken wie "Die Pest" oder "Der Fremde" befreite Camus nicht vor der intellektuellen Hexenjagd. Dennoch blieb der Frauenheld und Beau, der in seinem Trenchcoat und mit Gitane im Mundwinkel wie ein Humphrey Bogart der Paris Dandys wirkte, Kämpfer gegen blasse Moden und lodernde Barbarei.
Ruhm und Ehre
Später als Parade-Autor für Maturaschüler und als kantenloser Pazifist verharmlost, erleben Camus und seine Werke heute die ihnen gebührende Renaissance. Staatspräsident Präsident Nicolas Sarkozy will das Grab von Camus in den Pariser Ruhmestempel Panthéon überführen, Marseille wird 2013 als Kulturhauptstadt Europas ein ausführliches Camus-Festival ausrichten und dazu ein Fußballturnier im Namen des ehemaligen Torwarts von "Racing Universitaire Algérois". Den Siegerpokal soll ein algerischer Landsmann und Philosoph des runden Leders überreichen: Zinedine Zidane.















