Lyrische Selbstenthüllung
Er war am Ende und kehrt nun zu seinen Anfängen zurück: Der Film-Experte Horst Dieter Sihler (70) als Lyriker. Eine aufregende Entdeckung.
Aufgewachsen am Rande von Klagenfurt, in einem kleinbäuerlichen Haushalt, in dem es keine Bücher gab. Mit 12 Jahren entdeckt der Hauptschüler die städtische Leihbibliothek - der Auftakt zu einer lebenslangen außerschulischen Selbstbildungslaufbahn. Später schreibt der gelernte Maschinenbau-Ingenieur Gedichte, gilt im Forum Stadtpark als Hoffnung der österreichischen Lyrik, ehe er Mitte der 1960er-Jahre beginnt, die Poesie - in erster Linie auf der Leinwand - zu entdecken. Peter Turrini ist noch heute der Überzeugung, dass die Stadt Klagenfurt Horst Dieter Sihler ein Denkmal setzen müsste, ". . . denn er war es, der der allgemeinen Volksverblödung durch schlechte Filme den guten Film entgegensetzen wollte."
Überraschung
Dem Film gehört Sihlers Leidenschaft natürlich immer noch, aber nach einer schweren Krankheit, die ihn "in ein schwarzes Loch" fallen ließ, kehrte er im Vorjahr zu seinen Anfängen zurück. Er las seine alten Gedichte wieder, begann "so spontan und intuitiv wie früher" neue zu schreiben und überraschte selbst Literaturexperten wie Klaus Amann, der feststellte: "Ich habe auch darüber gestaunt, dass mir Gedichte aus den sechziger Jahren begegnet sind, die ich für gegenwärtig gehalten habe."
Diese aufregende Entdeckung ist nicht die einzige, die man in dem Buch "Am Anfang war die Poesie" (Wieser-Verlag) machen kann. "Wie ein Dichter entsteht" lautet der Untertitel: Und so rezensiert und analysiert Sihler aus der Distanz von Jahrzehnten seine Gedichte, betrachtet mit einem Quäntchen Ironie seine Entwicklung vom Romantiker zum strengen Kompositeur, bleibt ein immer Neugieriger und entlässt sich selbst als einen "Zeitlosen" mit großem Sprachgefühl, sowie alten und neuen Gedichten in die Lesergunst. "Am Anfang war die Poesie". Lesung Horst Dieter Sihler. Heute, 19.30 Uhr, Musilhaus Klagenfurt.
Features
Zur Person
Horst Dieter Sihler, geboren 1938 in Klagenfurt. Maschinenbau-Ingenieur, Lyriker, Kunst- und Theaterkritiker, Kinomacher, Filmkritiker.
Gründer und Organisator der 1. Österreichischen Filmtage (heute "Diagonale") in Velden (1977), des Vereins Alternativkino (1970), Betreiber des Projektes Lendhafen-Kino in Klagenfurt (1980, unvollendet).














