Folke Tegetthoff: "Jedes Sms ist eine Emotion"
Der Schriftsteller Folke Tegetthoff hat Kennenlerngeschichten aus 25 Jahren in ein Buch gepackt. Ein Interview über Emails, Bewunderung und die Krise der Männer.

Foto © Andreas Schöberl
Herr Tegetthoff, haben Sie mit Märchen abgeschlossen? Ihr neues Buch "Die Bewunderung der Welt" (Haymon) ist eine Sammlung 17 fantastischer Kurzgeschichten.
FOLKE TEGETTHOFF: Nein, Märchen werden mich immer begleiten. Das Buch ist ein Konglomerat aus persönlichen Erlebnissen, allesamt Schicksals- und Kennenlerngeschichten, ein Sammelsurium kleiner Wunder. Das älteste Erlebnis, das ich dabei verarbeitet habe liegt rund 25 Jahre zurück, als ich in kleines malaysisches Dorf kam und dort das erlebte, das mich seither begleitet: das Hinschauen auf die nähere Umgebung. Und außerdem wollte ich in meinem 30. Jahr als Autor auch einmal etwas Neues versuchen.
Alle Geschichten handeln vom Thema Bewunderung. Was oder wen bewundern Sie denn?
TEGETTHOFF: Das mag jetzt nach Marketing gelten, aber ich bewundere jeden. Ich denke, jede Begegnung mit anderen hat eine Bedeutung. Wenn ich im Flugzeug sitze, dann denke ich ,Warum sitzt genau dieser Mensch neben mir'. Und sei's nur die Bedeutung, dass ich drüber nachdenke. Die Basis von Bewunderung ist ja Wahrnehmung.
Sie gelten als ein scharfer Kritiker von Fernsehen. Was stört Sie so sehr daran?
TEGETTHOFF: Worte und Geschichten lösen Emotionen aus, sie lassen viel Freiraum im Kopf. Beim Fernsehen ist das nicht der Fall. Es ist oberflächlich, einseitig, passiv und nimmt am Leben anderer nicht teil.
Gilt das auch fürs Internet?
TEGETTHOFF: Nein. Zwei Drittel aller Erwachsenen glauben, dass die Jugend von heute weniger liest und schreibt. Aber das stimmt nicht. Die jungen Leute lesen online um ein Vielfaches mehr als früher. Sehen Sie sich die Email-Kultur an. Oder die Sms-Kultur. Sie schreiben hunderte,tausende Sms pro Monat.
Sie verteufeln die Verknappung nicht?
TEGETTHOFF: Nein. Jedes Sms ist ein Brief, ein Ausdruck einer Emotion. So etwas hat das Fernsehen nicht geschafft.
Gemeinsam mit ICEP, dem Institut zur Cooperation bei Entwicklungs-Projekten, engagieren Sie sich für Frauen in Kenia. Ein Herzensthema?
TEGETTHOFF: Ja. Denn Entwicklungsarbeit muss an Weiterbildungsmaßnahmen ansetzen. Die Hälfte meiner Lesungen sind Benefizveranstaltungen. Angefangen hat das eigentlich per Zufall.
Nämlich?
TEGETTHOFF: Vor nunmehr zwölf Jahren haben meine Kinder gesagt, sie möchten zu Weihnachten auf Geschenke verzichten und stattdessen lieber das Geld für ein Patenkind spenden. Der Junge ist mittlerweile wie unser fünftes Kind, er studiert in Indien, hat eine Zukunft. Deswegen schätze ich solche Projekte.
Wie haben die Fans ihrer Märchenbücher auf das Buch reagiert?
TEGETTHOFF: Mein Eindruck ist, das Thema ist ein weibliches, da Frauen andere Dinge bewundern als Männer. Männer bewundern andere Männer, Vorgesetzte oder sich selber. Ich sehe die aktuelle Krise als eine Krise der Männer.















