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Zuletzt aktualisiert: 11.10.2009 um 05:00 UhrKommentare

Staunen am Fluss der Energien

An der Görtschitz bei Klein St. Paul entsteht ein Land-Art-Projekt mit "Wunderwald", "Himmelsleiter" und sonstigen Fenstern ins Unsichtbare.

So manch Reisender durch das Görtschitztal dürfte sich über bunt bemalte Äste wundern, die seit einigen Wochen einen Abhang neben der Bundesstraße zieren. In unmittelbarer Nachbarschaft hat vor bald 100 Jahren der Wörthersee-Architekt Franz Baumgartner das Kraftwerk Hornburg errichtet, um der Görtschitz einen Teil ihrer Energie abzutrotzen. Nutznießer des villenartigen Industriebaus sind heute die Firma Wietersdorfer sowie Erwin C. Klinzer, der nach erfolgreicher Karriere in München vor einigen Jahren in sein Tal heimgekehrt ist. Im Klinzer-Hof aufgewachsen revitalisierte der ehemalige Modeschöpfer das von seinem Großvater initiierte Wasserkraftwerk, um schließlich diesen Sommer einen weiteren Schritt zur kulturellen Belebung seiner Heimat zu setzen. Er engagierte vier Künstlerkollegen und schuf mit ihnen ungewöhnliche "Naturfenster an der Görtschitz".

Natur erschauen

Einer von Klinzers Mitstreitern ist Manfred Bockelmann, der gemeinsam mit Kindern der örtlichen Hauptschule einen kunterbunten "Wunderwald" realisierte. Auf einem 300 Meter langen Uferstreifen bemalte der Künstler abgestorbene Äste und Baumstümpfe, die sonst unbemerkt verrottet wären.

Unsichtbares, wenn auch nur für begrenzte Zeit, sichtbar zu machen, ist eines der Anliegen des Land-Art-Projektes, das Erwin Klinzer primär als "ein soziales" versteht. Es gehe ihm vor allem um das "Schaffen von "Bewusstsein für die Schönheit der Natur, im Sinne von Natur erschauen", so der Künstler, der seine eigenen Bilder ausschließlich mit natürlichen Mitteln herstellt. An der Görtschitz oder am Meer in Andalusien, wo er einen Zweitwohnsitz unterhält, schöpft der 57-Jährige seine Werke buchstäblich aus dem Wasser, indem er die zuvor aufgetragenen Naturfarben solange ineinander verfließen lässt bis sie - archäologischen Schichtungen oder Sedimentierungen gleich - Kompositionen von beschaulicher Anmut ergeben.

Als eigenen Beitrag zum Pilotprojekt "Landschaftsgarten" errichtete Klinzer eine unspektakuläre Gartenlaube, in deren Innerem ein begehbares Sandbild zur Kontemplation anregen soll. Wolfgang Walkensteiner wiederum stellte einen sieben Meter hohen "Rattenschwanz" aus Metall auf eine Lichtung oberhalb der Görtschitz und schuf damit ein fragiles Kunstwerk, das je nach Perspektive in Erscheinung tritt oder verschwindet. Dasselbe gilt für eine Glasskulptur von Heinz Simonitsch, die nur unter einem bestimmten Blickwinkel voll zu Geltung kommt, und zwar dann, wenn die Sonne den totemartigen "Wächter" zum Leuchten bringt. Die angedeutete Kreuzform der Figur möchte hier, unmittelbar am Hemma-Pilgerweg, "Kreuzung im Sinne von Begegnung" symbolisieren.

Ebenfalls ins Transzendente verweist eine "Himmelsleiter", die Pepo Pichler direkt an der Bundesstraße postierte. Für den Künstler ist sie "Symbol für die Passage von einer Art des Seins zu einer anderen, von Dunkel zu Licht, von Tod zu ewigem Leben". Zum besseren Erfassen ihrer Bedeutung wurde zu Füßen der elf Meter hohen Betonsäule ein eigener Rastplatz angelegt. Rasen mit dem Auto ist vor diesem Fenster ins Jenseits jedenfalls nicht angemessen.

Flanieren dagegen schon. Ein Verbindungsweg nach Klein St. Paul soll künftig dafür sorgen, dass Besucher des "Landschaftsgartens" auch die zweite Attraktion des Ortes - Werner Hofmeisters Museum für Quellenkultur - ungefährdet erschauen können.

ERWIN HIRTENFELDER

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