Causa Polanski: Besuch für den Meister-Regisseur in der Zelle
Seine Ehefrau, der französische Konsul und der polnische Botschafter waren beim festgenommenen Regisseur - er soll "schockiert, aber kampfeslustig" sein.

Foto © APPolanski in Nöten
Starregisseur Roman Polanski hat in seinem Gefängnis in Zürich am Montag viel Besuch bekommen. Seine Frau, die französische Schauspielerin Emmanuelle Seigner, tröstete ihn und zeigte sich nach eigenen Angaben "schockiert aber kampfeslustig". Wie Schweizer Medien am Dienstag berichteten wurde der prominente Gefangene gegen Abend vom französischen Konsul in der Schweiz, Jean- Luc Faure-Tournaire, sowie dem polnischen Botschafter Jaroslaw Starzyk besucht. Beide Länder wollen sich für eine Freilassung Polanskis einsetzen, der am Samstag wegen eines über 30 Jahre zurückliegenden Sexualdeliktes in Zürich verhaftet worden war.
Seit Jahren völlig unbehelligt
Unterdessen berichtet die Boulevardzeitung "Blick" am Dienstag detailliert, dass sich Polanski seit Jahren völlig unbehelligt und niemals versteckt im Prominentenurlaubsort Gstaad im Berner Oberland aufgehalten habe. Er besitzt dort ein Ferienhaus, ein "Chalet". Zuletzt sei er dort im August gewesen. "Er zeigt sich in der Region gerne und oft. Seit Jahrzehnten. Man sah ihn überall. Warum man ihn jetzt gerade verhaften musste, ist schon überraschend", wird Tourismusdirektor Roger Seifritz zitiert. Nach Angaben der dortigen Polizeibehörden war von einem Haftbefehl nichts bekannt.
Die Schweiz war in die internationale Kritik geraten, weil sie Polanski gerade jetzt anlässlich einer Auszeichnung beim Filmfestival in Zürich festgenommen hatte. Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) stellt unter der Überschrift "Dumm gelaufen" am Dienstag fest, dass die Verhaftung Polanskis "kein Meisterstück der Diplomatie" gewesen sei. "Die Politik will rechtlich einwandfrei handeln - und produziert eine politische Peinlichkeit", schreibt das Blatt. Sollte Polanski seitens der Schweizer Behörden in den vergangenen Jahren vermittelt worden sein, er sei hier willkommen, dann sei seine plötzliche Verhaftung zumindest problematisch, schreibt die Zeitung weiter.
Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles, die nach eigenen Angaben dem bisher erst provisorischen noch das definitive Auslieferungsgesuch folgen lassen will, hat dafür noch 60 Tage Zeit. Polanskis Anwalt Lorenz Erni aus Zürich will aber schon jetzt die Freilassung seines Mandanten beantragen, wie Polanskis Pariser Anwalt Herve Temime am Montag mitgeteilt hatte. Dafür haben die Anwälte insgesamt zehn Tage Zeit. Bei einer Absage können sie das höchste Schweizer Gericht, das Bundesgericht, anrufen. Dasselbe Vorgehen wiederholt sich nach Eintreffen des endgültigen Auslieferungsersuchens.
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1933 als Sohn jüdischer Eltern in Paris geboren, zog er mit diesen 1936 ins polnische Krakau. Die Mutter verlor Polanski in Auschwitz, er überlebte im Versteck bei Kleinbauern. Ausgebildet wurde Polanski an der Filmhochschule in Lodz. Schon sein 1961 noch in Polen produziertes Kinodebüt "Das Messer im Wasser", das von der eskalierenden Rivalität zweier Männer handelte, war eine Sensation und ebnete ihm den Weg in den Westen.
Zunächst arbeitete der Regisseur in England, dann in Hollywood. Sharon Tate, Hauptdarstellerin der Horror-Komödie "Tanz der Vampire", wurde 1968 dort Polanskis zweite Frau. Hochschwanger wurde Tate im folgenden Jahr von Anhängern des Sektenführers Charles Manson ermordet.

















