Peter Turrini wird 65: Die Welt in Dialogen
Ein großartiger Schriftsteller feiert Geburtstag: Der in Kärnten geborene Peter Turrini wurde durch seine kritischen Stücke berühmt. Mit "Rozznjogd" legte er den Grundstein seines Erfolges.

Foto © APADer Kärntner Schriftsteller wird 65
Peter Turrinis Schaffen zählt zur "österreichischen Zeit- und Literaturgeschichte", "Wirksamkeit und Qualität" seiner Werke stehen "außer Frage". Das ist quasi amtlich, denn so begründete Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) heuer im Frühjahr den Beschluss der Landesregierung, den Vorlass des in Kleinriedenthal bei Retz ansässigen Autors für 575.000 Euro anzukaufen. Turrini feiert am Samstag (26. September) seinen 65. Geburtstag. Sein Werk ist zwar archivarisch gut aufgearbeitet, wächst jedoch beständig weiter.
Der ehemals Claus Peymann und dem Burgtheater eng verbundene Dramatiker ist mittlerweile einer der Hausautoren des Theaters in der Josefstadt. 2006 startete Herbert Föttinger seine Direktion mit der Uraufführung von Turrinis "Mein Nestroy", zuletzt waren die Neufassungen seiner Goldoni-Bearbeitungen von "Der Diener zweier Herren" und "Die Wirtin" hier zu sehen. Im März 2010 wird Föttinger ein neues Stück von Peter Turrini uraufführen: "Aus Liebe" nimmt einen Amoklauf als Ausgangspunkt: Ein Mann kauft sich eine Axt und rottet seine Familie aus. "Ich möchte mich der großen Frage nach dem 'Warum?' mit scheinbar kleineren Fragen nähern", schreibt Turrini.
Aber auch dem neuen Burgtheater-Direktor ist Turrini verbunden, seit Matthias Hartmann 1998 im Akademietheater die Uraufführung von "Die Liebe in Madagaskar" inszenierte. In Bochum startete Hartmann zwei Jahre später seine Intendanz mit der Uraufführung von "Die Eröffnung". Derzeit ist jedoch kein Burg-Comeback Turrinis avisiert. Dafür aber eine Film-Premiere: Am 21. September fiel im niederösterreichischen Passendorf die erste Klappe für Elisabeth Scharangs "Vielleicht in einem anderen Leben", der Verfilmung eines von Turrini mit seiner Lebensgefährtin Silke Hassler verfassten Drehbuchs. Dieses beruht seinerseits auf der 2007 in Klagenfurt uraufgeführten "Volksoperette" "Jedem das Seine" über die Todesmärsche jüdischer Häftlinge im April 1945. Der Film soll 2010 in die Kinos kommen.
Kärntner Herkunft
Peter Turrini wurde 1944 im Kärntner St. Margarethen als Sohn eines italienischen Kunsttischlers und einer Steirerin geboren, wuchs in Maria Saal auf und besuchte in Klagenfurt Hauptschule und Handelsakademie. Anschließend verdiente er seinen Lebensunterhalt unter anderem als Holzfäller, Stahlarbeiter, Vertreter, Werbetexter, Barmann und Hotelmanager, bis ihn sein 1971 im Wiener Volkstheater mit Franz Morak und Dolores Schmidinger uraufgeführtes Stück "Rozznjogd", mit dem er das Lebensgefühl seiner Generation traf, schlagartig bekanntmachte. Seither hat der Dramatiker ohne Unterlass Erfindung und Vorfindung, Dichtung und soziales Gewissen in Stücke gepackt. "Offensichtlich halte ich die Welt nicht aus, ohne sie in Theaterfantasien zu verwandeln", sagt er. Stücke wie "Sauschlachten" (1972), "Josef und Maria" (1980), "Die Minderleister" (1988) oder "Alpenglühen" (1993) wurden Fixpunkte des deutschsprachigen Repertoires, andere sorgten kurzzeitig für Erregung.
Mit der "Alpensaga" (gemeinsam mit Wilhelm Pevny) und der "Arbeitersaga" (gemeinsam mit Rudi Palla) schrieb Turrini aber auch Fernsehgeschichte und sorgte für lebhafte Debatten. Mit Essays und Reden schaltete er sich ins politische Geschehen ein und nannte 1995 anlässlich des Attentats auf Roma in Oberwart Österreich eine "Mörderrepublik". 1999 begann mit der Uraufführung von Gerd Kührs Oper "Tod und Teufel" zu Turrinis Libretto eine Beziehung zum Musiktheater, die 2002 an die Staatsoper führte: Zu "Der Riese vom Steinfeld" schrieb Friedrich Cerha die Musik.
Dialoge statt Prosa
Turrini schrieb Drehbücher und Hörspiele, betätigte sich als Schauspieler, nahm Tonträger auf und führte Regie. Von ihm sind auch Gedicht- und Essaybände, die Novelle "Die Verhaftung des Johann Nepomuk Nestroy" (1998) und das Kinderbuch "Was macht man, wenn... Ratschläge für den kleinen Mann" (2009) erschienen. 1972 erschien sogar ein Roman, "Erlebnisse in der Mundhöhle". "Beim Wiederlesen packt mich der nackte Graus", bekannte Turrini in einem APA-Interview. Er habe schon als 14-Jähriger "immer alles in Dialogen gedacht": "Das Prinzip war damals schon da. Wahrscheinlich kann ich deshalb auch keine Prosa schreiben."
Features
Zur Person
Peter Turrini wurde am 26. September 1944 in St. Margarethen in Kärnten geboren. Er lebte lange Zeit auf dem Hof des Komponisten Gerhard Lampersberg in Maria Saal. Dort kam er mit großen Schriftstellern wie Thomas Bernhard, Christine Lavant oder Peter Handke in Kontakt die ebenfalls bei Lampersberg lebten und von ihm gefördert wurden.
Peter Turrini wurde durch Rozznjogd (1971), Sauschlachten (1972) und die Fernsehserie Alpensaga (1974–1979) bekannt.


















