"Struwwelpeter" mit teutonischer Strenge
Auch die Minichmayr hilft da nicht wirklich: Stefan Pucher verwandelt an der Burg den "Struwwelpeter" in ein Pädagogik-Requiem.

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Seit die britischen Theaterkünstler Phelim McDermott, Julian Crouch und Martyn Jacques vor elf Jahren mit ihrem Grusical "Shockheaded Peter" in London herauskamen, reist das Stück in vielen Variationen rund um die Welt. Und von Erfolg zu Erfolg. Bei den Wiener Festwochen war 2001 die historisierende Originalfassung (mit den Tiger Lillies) zu sehen. Zuvor hatte man in Düsseldorf eine grandiose Techno-Inszenierung geboten. Und nun versucht sich das Burgtheater an dem Stoff, der sich an Heinrich Hoffmanns schauriger Erziehungsfibel "Der Struwwelpeter" orientiert.
Regisseur Stefan Pucher hat nun im Burgtheater diesem wunderbaren Stück mit teutonischer Strenge fast jeden Witz ausgetrieben. Und zu den im Buch verwendeten Qualbringern wie Schere, Peitsche, Gewehr kommt hier das schrecklichste Tortur-Tool dazu: der Moralfinger. Pucher fühlte sich offenbar berufen, die flotte, sarkastische Revue um eigene Texte zu bereichern, in denen Konsum, Elternegoismus und Leistungswahn et cetera gegeißelt werden.
Schlechtes Gewissen
Hinterlegt wird dieses Bemühen mit Unmengen von Filmmaterial, das in seiner Fülle das eigentliche Bühnengeschehen erdrückt. Und als Zuseher fühlt man sich einer sonderpädagogischen Behandlung unterzogen. Wer diesen Abend übersteht, ohne ein schlechtes Gewissen mitzunehmen, hat ihn wohl nicht verdient.
So weit, so schlecht. Die herrliche Vaudeville-Musik der Tiger Lillies wird von einem Quartett in Allerwelts-Rock verwandelt. Wiewohl es auch Passagen gibt, in denen man hört, was möglich gewesen wäre. Die ziemlich allein gelassenen Schauspieler spulen ihren Text ab, Jacques Palminger gewinnt als zynischer Moderator ein wenig Profil.
Wunderbare Diseuse
Bleibt Birgit Minichmayr: Sie singt die Struwwelpeter-Originaltexte, die Geschichten von der brennenden Pauline, vom Daumenlutscher Konrad, vom Zappelphilipp. Und was sich hier aufs Schönste bestätigt: Die Minichmayr ist eine wunderbare Diseuse, ihre Stimmführung hat dazugewonnen, ihr leicht heiseres Timbre bezaubert. Wenn sie am Schluss ihre Eloge an den Flieger Robert singt, wird man für den davor liegenden Poesie-Entzug an diesem Abend ein wenig entschädigt. - Freundlicher Applaus am Schluss.
















