"Adam Geist"-Premiere: Düsteres Hochamt des Misslingens
Die dritte Burgtheater-Premiere ist ein Desaster. Es erhielt kräftigen Applaus.

Foto © APSven Dolinski als "Adam Geist"
Kein Vater, keine Mutter, keine Wohnung, keine Arbeit, kein Geld: Dieser junge Mann ist schlimm dran. Auch wenn wir nicht wissen, wie das kam. In der Folge dealt er ein bisschen, macht den Laufburschen für einen alten Neonazi, versucht sich als Fremdenlegionär in Djibouti, als Söldner in Kroatien. Aber er bleibt unerlöst.
Andreas Kriegenburg hat sich für die Uraufführung von Dea Lohers "Adam Geist" 1998 fast vier Stunden gegönnt. David Bösch, Image: Wunderkind, versucht es in weniger als der halben Zeit hinzukriegen. Und kreiert damit einen Abend, der dennoch zu lang ist. Oder sollte man besser sagen: entbehrlich?
Endzeitdrama
Selten hat einen eine Aufführung so ratlos hinterlassen wie diese hier: Inszenatorisch in der New-Brit-Epoche der frühen 90er-Jahre angesiedelt, musikalisch an einem Lagerfeuer im Grunge-Zeitalter, visuell im üblichen postnuklearen Ambiente klassischer Endzeitdramen. Sieht man ab von einem köstlichen Monologspektakel, von Sarah Viktoria Frick zu Beginn geboten, schleppt sich das Ganze lähmend dahin. Alles wirkt noch dazu furchtbar antiquiert.
Sven Dolinski, ein bleicher Schönling, wankt wehleidig durchs Geschehen, in ganz wenigen guten Momenten kann er als wütender Werther durchgehen, die meiste Zeit denkt man eher an ein gestrandetes Model à la Marcus Schenkenberg. In Böschs Inszenierung ist diese Figur völlig unplausibel, man fühlt sich regelrecht von ihr belästigt und Schlimmeres kann wohl nicht passieren. Auch die Cowboys, Indianer, Hitlermumien, Engel etc. sind weder poetisch noch gespenstisch.
Dass Dea Loher dafür den Mühlheimer Theaterpreis bekommen hat, erschließt sich nach dieser Inszenierung nicht. Und dass der Premierenapplaus durchaus kräftig ausfiel, schon gar nicht. Ein seltsamer Abend, dessen wesentlichste Klammer das Misslingen ist.
















