Coldplay gastierten in Udine
Coldplay, englischer Gradmesser in Sachen Pop, gastierten vor 40.000 Fans im Stadio Friuli in Udine und boten, durchaus wohltuend, nicht nur mehrheitsfähigen Pop.

Foto © ReutersFrontman Chris Martin in Action
Chris Martin versteht sich auf die Kunst des Einzelgespräches. Fast verhalten beginnt er es im Schutz der Dunkelheit, kurz nachdem die letzten Sonnenstrahlen das Stadion Friuli verlassen haben. Der Geräuschvorhang von "Life in Technicolor" zu Beginn mag die Zurückhaltung der 32-jährigen Coldplay-Stimme noch kurz überdecken, doch spätestens bei "Yellow" und "In my place", wird das Udineser Konzert zur Einzelaudienz, selbst wenn 40.000 das Stadionrund füllen. Martin und seine Kumpanen Jonny Buckland, Guy Berryman und Will Champion nehmen ihre Gäste - wie es scheint einzeln - mit in die Welt eines Sounds, der 50 Millionen Platten verkauft hat und trotzdem (noch) Ecken und Kanten besitzt. Die Band lässt vorerst eingängigen Akkorden den Vortritt, begibt sich per zugerauntem Falsetto ohne Grabesstimmung auf die "Cemeteries of London", tastet sich zu "Fix you" vor und für einen Moment scheint es so, als würden die vier Briten gerne von der Bühne klettern, den Arm um einen legen und ins Ohr flüstern: "Weißt du mein Freund, ich habe alles versucht, aber irgendwie klappt es nicht immer."
Inszenierter Pathos
Ja, Coldplay inszeniert in den knappen 100 Minuten das Pathos. Wirklich böse sein kann man nicht, dazu blitzt das musikalische Genie bei Songs wie "42" viel zu wütend auf. So als würde die Band hinausschreien wollen: "Wir sind massentauglich, aber hey, wir machen auch richtig gute Musik." Per "Billie Jean" wird dann auf einer Bühne inmitten des Publikums dem verstorbenen King of Pop gehuldigt.
Spätestens bei der Tour-Hymne "Viva la vida" entledigt sich die Band allerdings doch noch ihrer mitgeschleppten musikalischen Schwerkraft, lässt den Klang wirken und den Wind den widerhallenden Refrain zu sich hinübertragen. Nur im Finale geht es viel zu schnell- ein hinterlassenes "The Scientist" übergibt den Zuhörer ein wenig ratlos an die Stadionscheinwerfer.
Features
Fakten
Die im Juni 2008 begonnene "Viva la Vida"-Tour neigt sich ihrem Ende zu. Am 19. September ist im Londoner Wembley Stadion das große Abschlusskonzert geplant.
Tourstationen: Bern (heute), Barcelona (4.9.), Paris (7.9.), Nijmegen (9.9./10.9.), Manchester (12.9.), Dublin (14.9.), Glasgow (16.9.), London (18.9., 19.9.).














