Schauspieler, Autor und Regisseur
Eine steirisch-kärntnerische Koproduktion: In Salzburg probt Bernd Jeschek derzeit mit Brigitte Karner das Einpersonenstück "Gute Nacht, Okapi".

Foto © KKBernd Jeschek
Herr Jeschek, Sie haben das Stück Frau Karner auf den Leib geschrieben. Was bedeutet Okapi?
BERND JESCHEK: Das ist ein besonders nettes Tier, eine Mischung aus Giraffe und Zebra.
Welche Art von Frau ist die Hauptfigur?
JESCHEK: Sie ist sehr attraktiv, aber man weiß nicht, woher sie kommt. Wir lernen sie durch Begegnungen auf der Bühne kennen. Begegnungen mit Passanten, die wir nicht sehen, mit denen sie aber spricht.
Hat diese Frau ein besonderes Schicksal hinter sich?
JESCHEK: Nein.
Sie ist also eine Art "Jedefrau"?
JESCHEK: Diese Bezeichnung wäre nicht falsch.
Ist es von Vorteil, wenn man sein eigenes Stück inszeniert? JESCHEK: Ich kenne das Stück besser als jeder andere. Insofern ja. Doch man muss flexibel bleiben, es wird sicher einiges gestrichen und geändert. Man darf die eigenen Worte nicht als heilig betrachten.
Wie empfinden Sie als gelernter Schauspieler das Autorenleben?
JESCHEK: Pragmatisch. Es ist fast wie in der Schule. Schreiben braucht Disziplin und man muss dabei sitzen. Manchmal flutscht es, manchmal hakelt es. Im konkreten Fall ist der Bleistift ziem
lich gut geglitten, der Spitzer wurde oft beansprucht. Nicht, dass ich den Computer prinzipiell ablehnen würde. Doch in den Computer schreibt's mir dann jemand anderer.
Hat Brigitte Karner selbst etwas zum Text beigetragen?
JESCHEK: Insofern schon, als ich beim Schreiben ja dauernd sie im Kopf hatte.
Premiere ist am 16. Oktober im Bregenzer Kornmarkt-Theater. Wird das Stück auch anderswo gespielt werden?
JESCHEK: Ja. Bis jetzt in Innsbruck, Leverkusen, in Südtirol, wahrscheinlich bei den Schlossspielen Ludwigsburg.
Der Schauspieler Jeschek hat am 14. November in Salzburg mit "Reinhardt" Premiere. Ein Stück des Briten Michael Frayn, von dem Erfolge wie "Democracy" über Willy Brandt und die Ostpolitik und "Copenhagen" stammen. Frayn wurde durch einen Aufenthalt in Max Reinhardts Räumen in Leopoldskron zu dieser Arbeit inspiriert. Welchen Bogen hat er entworfen?
JESCHEK: Er zeichnet kein Heiligenbild. Es geht vor allem um Reinhardt und die Salzburger Festspiele. Gleich zu Beginn spricht er dem Fürsterzbischof Texte aus dem "Jedermann" vor. Man bekommt auch die dräuende Naziherrschaft jenseits der Grenze mit. Die Nazis wollten Reinhardt zum Ehrenarier ernennen. Das hat er natürlich abgelehnt.
Welches Gefühl ist es, einen solchen Mann zu verkörpern?
JESCHEK: Ein tolles. Ein hochinteressanter Charakter, der auch angefeindet wurde. Karl Kraus etwa hat gegen ihn gewütet. Reinhardt war jedenfalls ein Mann, der seine Visionen umsetzte, und vieles, was er über Theater und Beruf zu sagen hatte, ist mir aus der Seele gesprochen.
Wäre das Stück nicht für die Festspiele geeignet gewesen?
JESCHEK: Es gab ein Griss um die deutschsprachige Erstaufführung, und das Salzburger Landestheater scheint dabei sehr glücklich agiert zu haben. Warum keine Uraufführung bei den Festspielen? Das fragen Sie am besten bei den Festspielen nach.
Beim Fernsehen hat sich in letzter Zeit nichts für Sie getan?
JESCHEK: Doch. Im Sisi-Zweiteiler von Xaver Schwarzenberger spielte ich den Leibarzt der Kaiserin. Ich habe schon einen halbstündigen Rohschnitt gesehen und bin beeindruckt. Und demnächst bin ich auch beim Erzherzog-Johann-Projekt von Julian Pölsler dabei.
Features
Fakten
Bernd Jeschek, geboren 1949; Studium in Graz; seit 1986 freischaffend.
2001 Soloprojekt "Novecento"; Zusammenarbeit mit Mnozil Brass.
www.berndjeschek.at















