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Zuletzt aktualisiert: 26.08.2009 um 05:10 UhrKommentare

Ex-MMKK-Chefin Andrea Madesta im Interview

Andrea Madesta (44) leitete fünf Jahre lang das Museum Moderner Kunst Kärnten. Heute übersiedelt sie nach Regensburg. Eine Art Erlösung.

Sie werden diese Woche Kärnten verlassen, um Ihren neuen Job als Chefin der Ostdeutschen Galerie in Regensburg anzutreten. Gehen Sie eigentlich schweren Herzens?

ANDREA MADESTA: Da muss ich ganz ehrlich sagen: "Ja". Ich habe hier intensiv gelebt und gearbeitet. Es waren Jahre, die ich nicht missen möchte. Aber sie waren intensiv in allen Facetten.

Laut Kulturreferent Harald Dobernig hätten Sie zumindest ein Jahr länger in Klagenfurt bleiben können. In Regensburg bot man Ihnen einen 4-Jahres-Vertrag an. Hat das den Ausschlag gegeben?

MADESTA: Nicht nur. Ich habe vor fünf Jahren mit hohen Erwartungen das MMKK übernommen und das Ziel verfolgt, dass das Haus ausgegliedert wird. Als ich gemerkt habe, dass dieses Vorhaben im Zuge der Umsetzung wieder sehr unkonkret wurde, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mich zu verabschieden.

Zweifeln Sie etwa an der geplanten Ausgliederung des Museums, die BZÖ und ÖVP sogar in ihren Koalitionsabkommen festgeschrieben haben?

MADESTA: Ja. Ich würde es dem Haus wünschen. Im jetzigen System, in das das MMKK eingebettet ist, ist es fast unmöglich langfristige Perspektiven zu entwickeln. Die Planung von Ausstellungsprojekten ist nur kurzfristig möglich. Das Haus braucht eine grundsätzlich andere Organisationsstruktur. Nur so hat man die Chance, langfristig eine solide Museumsarbeit zu leisten.

Was hat dem Haus bzw. Ihnen als Direktorin bisher gefehlt?

MADESTA: Institutionen wie das MMKK brauchen Autonomie. Das heißt nicht, dass sie sich im luftleeren Raum bewegen sollen, aber es muss flexible Handlungsspielräume geben. Mir persönlich hat die Verantwortung gefehlt über Budget, Personal etc.

Das Museum hat mehr als ein Dutzend Mitarbeiter. Wie viele davon haben Sie ausgesucht?

MADESTA: Keinen einzigen. Man muss natürlich sagen, dass das im öffentlichen Dienst häufig vorkommt. Aber ich war auch nicht beteiligt an den Auswahlverfahren. Das Organigramm der Kulturabteilung verzeichnet für das MMKK 14 Angestellte, wobei in der Praxis nicht alle für das Museum tätig sind. Von einzelnen Mitarbeitern weiß ich gar nicht, was sie machen.

Wie war es eigentlich möglich, dass Sie als Direktorin von den Kunstankäufen des MMKK ausgeschlossen waren?

MADESTA: Als ich 2004 gekommen bin hatte ich noch selbst eine internationale Jury eingeladen. Im Jahr darauf wurde mir schon mitgeteilt, dass die Kandidaten der Jury nicht von mir bestimmt werden können. Es ist schon unorthodox, dass eine Museumsleiterin nicht einmal ein Stimmrecht bei Ankäufen ihres Museums hat.

Wie finden Sie eigentlich die Budgetierung des MMKK?

MADESTA: Ich finde, dass das Museum ganz gut dotiert ist. Schwierig war natürlich nur, dass um jede Ausgabe formal angesucht werden musste.

Wie etwa eine Dienstreise zur alle fünf Jahre stattfindenden "Documenta", die Ihnen von der Leiterin der Kulturabteilung verwehrt wurde

MADESTA: Ja, zum Beispiel. Dienstreisen zählten zweifellos zu den Schattenseiten meiner Tätigkeit in Klagenfurt. Als dann auch noch der Begriff "Zickenkrieg" aufgetaucht ist, war ich sehr betroffen, weil ich auf diesem Level einfach nicht gesehen werden will.

Das Wort stammt vom ehemaligen Kulturreferenten Martin Strutz. Hatte er Unrecht?

MADESTA: Sagen wir so: In dem Moment, wo es keine klaren Strukturen gibt, sind Irritationen Tür und Tor geöffnet. In einem solchen System funktioniert rein gar nichts, weder strukturell noch persönlich. Da entstehen zwangsläufig Spannungen, die ein friedliches Miteinander per se ausschließen.

Zuletzt soll es auch eine Verstimmung zwischen Ihnen und Dobernig gegeben haben. Stimmt es, dass er Ihnen vorgeworfen hat, dass Sie gegen die Erhöhung der Kärntner Parteienförderung unterschrieben haben?

MADESTA: Dazu kann ich eigentlich nur sagen "Ja". Dobernig hat mir zum Vorwurf gemacht, dass ich während meiner Dienstzeit meine Meinung geäußert habe. Per Fax, das er mir als Kopie vorgehalten hat.

Was nehmen Sie eigentlich an Positivem aus Kärnten mit?

MADESTA: Dass ich sehr viele Künstler von Weltklasse hierher bringen konnte und meine Ausstellungsprojekte samt Begleitprogramm mit viel positiver Resonanz aufgenommen wurden. Ich hatte hier viele schöne Begegnungen und Erlebnisse, auch wenn nicht alles so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe.

Wird man Sie in Kärnten wiedersehen?

MADESTA: Auf jeden Fall, schon deshalb, weil ich hier viele Freunde habe. Aber es soll auch berufliche Verbindungen geben. Ich würde mich freuen, das von mir für Mai geplante Ausstellungsprojekt mit Wolfgang Hollegha im MMKK zu realisieren. Er ist ja heuer 80 geworden und gebürtiger Klagenfurter. Auch mache ich noch das kommende Burgkapellenprogramm mit der Schweizerin Katalin Déer. Es trägt den Titel "Gotteshaus" und wird sicher sehr spannend.

ERWIN HIRTENFELDER

Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Andrea Madestas neue Wirkungsstätte bewahrt das Kunsterbe der ehemals deutsch geprägten Kulturräume im östlichen Europa. International bedeutende Künstler von Lovis Corinth über Käthe Kollwitz bis hin zu Sigmar Oolke prägen die Sammlung des Regensburger Spezialmuseums, das insgesamt rund 2500 Gemälde und Skulpturen sowie 30.000 Grafiken besitzt.

Nähere Infos: www.kunstforum.net

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