Hartmann: "Momentan bin ich nicht ich selbst"
In zehn Tagen beginnt am Burgtheater die Ära Hartmann. - Ein Gespräch mit ihm über Umarmungen, Panikbarometer, eilig verkaufte Stücke und die Querfinanzierung von Nervenkliniken.

Foto © APABurgtheater-Chef Matthias Hartmann
Herr Hartmann, Sie leben seit rund einem halben Jahr in Wien, was haben Sie in dieser Zeit über Österreich dazu gelernt?
MATTHIAS HARTMANN: Wenig, bisher war ich hier wie auf Montage. Ich lebe immer noch in einer Übergangswohnung und meine Zeit verbringe ich ausschließlich im Theater, in der dunklen Höhle der Probebühne.
Haben sich schon Leute um Feindschaft mit Ihnen beworben?
HARTMANN: Man muss sich vor falschen Freunden hüten, ich weiß aber noch nicht, wann Umarmung in Erdrücken übergeht.
Der politische Mensch Matthias Hartmann sagte jüngst in der "Presse": Schlimmer, als links zu sein ist nur noch, rechts zu sein. Wo dürfen wir Sie vermuten?
HARTMANN: Links oder rechts sind doch nur noch Markenartikel, an den Politikern kann ich keine Unterschiede mehr erkennen. . .
. . . aber zwischen Strache und, sagen wir Faymann bestehen doch noch graduelle Unterschiede . . .
HARTMANN: Das stimmt, hier sind sind sie wirklich spürbarer als in Deutschland. Aber ich lasse mich von beiden Seiten nicht vereinnahmen, meine politische Heimat sind eher in Organisationen, die sich für Umwelt und Menschenrechte engagieren.
Wie unterscheiden sich für einen Theaterdirektor Zürich und Wien?
HARTMANN: In Zürich spürt man eine gewisse Wohlmeinung der Menschen zum Theater, dabei aber bleibt es, weil sie kein Verhältnis dazu haben. In Wien gibt es eine Steigerung: Hier ist Theater ein Teil des sozialen Lebens, des sozialen Gewissens.
Sie eröffnen nächste Woche mit Faust I und II, sind Sie schon ein bisschen nervös?
HARTMANN: Was heißt nervös?!! Ich bin momentan nicht ich selbst!
Worin liegt für einen Regisseur das Faszinierende an einem Stück, das zwar zeitlos gültige Inhalte hat, aber seit seiner Entstehung schon hunderte Male inszeniert worden ist?
HARTMANN: Erstens habe ich es noch nie inszeniert, zweitens war es seit 40 Jahren nicht mehr am Burgtheater.
Bleibt es bei Ihrem Vorhaben, die Inszenierung mit vier plus zwei Stunden zu begrenzen?
HARTMANN: Ja, aber bisher haben wir noch keinen Durchlauf geschafft, daran sehen Sie auch mein Panik-Barometer.
Goethe hatte Faust II gar nicht fürs Theater geschrieben und den Text lange weggeschlossen.
HARTMANN: Ich habe einige Versuche gesehen, die ich alle für misslungen halte, und meine wird vermutlich auch nicht besser.















