Kampf um digitale Bücher
Was die Musikbranche schon hinter sich hat, steht Verlegern und Buchautoren nun bevor: Rund um das Google-Buchprojekt droht der ultimative Kampf um die digitale Verwertung von gedruckten Texten.

Foto © APANoch bis 4. September können europäische Autoren Einwände erheben, Chancen stehen jedoch gleich Null
Wenn der Bücherherbst heuer besonders heiß wird, dann liegt es nicht an spektakulären Bestsellern, aufrüttelnden Sachbüchern oder einem überraschenden literarischen Geniestreich. Was Verleger und Autoren diesmal in den Bann schlägt, sind sechs bunte Buchstaben, die jeder kennt: Google.
Die kalifornische Firma schickt sich nämlich an, unwiderruflich zum weltweit wichtigsten Faktor im Verlags- und Buchhandelswesen zu werden. Im kommenden Oktober wird aller Voraussicht nach ein Vergleich in den USA genehmigt, der Google weit gehende Online-Verwertungsrechte für alle in den USA vorhandenen Buchinhalte sichert.
Wegen der Besonderheiten des US-Rechts gilt dieser Vergleich auch für europäische Autoren. Sie können noch bis 4. September Einwände erheben, und die Chance auf Berücksichtigung dieser Einwände ist gleich null.
Ausstieg ohne Chance
Sie können auch aus dem Vergleich aussteigen, was sie aber vom künftig vielleicht wichtigsten Verwertungskanal für geistiges Eigentum abschneidet. Und die Verbreitung von Text-Raubkopien im Internet wohl auch nicht verhindern wird.
Denn was einmal im Netz ist, pflanzt sich hemmungslos fort. Und im Netz stehen bereits sehr viele Bücher von Autoren, die dem Treiben nur ohnmächtig zuschauen können. Google hat nämlich nicht lange gefackelt, sondern im Jahr 2004 eigenmächtig damit begonnen, das gesamte gedruckte Wissen dieser Welt über riesige Scan-Maschinen in firmeneigene Computer einzusaugen. Rund 15 Millionen Bücher wurden bisher digitalisiert, pro Stunde kommen mehrere tausend Seiten dazu. Die Maschinen laufen Tag und Nacht, sie fressen sich durch riesige US-Bibliotheksbestände.
Proteste gegen diese "weltweit größte Urheberrechtsverletzung überhaupt" (so die heimische Verwertungsgesellschaft Literar Mechana) gibt es zwar zuhauf, sie blieben bisher aber ohne Wirkung. Google argumentiert, dass die Texte zwar eingescannt, aber vorerst nicht kommerziell genützt würden. Eine geschäftliche Online-Verwertung ist zwar auch geplant, Details hält man aber unter Verschluss. Damit ist Google in einer komfortablen Position: Je höher der digitale Textbestand, desto größer der Buch-Druck auf die gesamte Branche. Und weil niemand genau weiß, wohin die Reise der digitalen Text-Verwertung geht, gibt es auch keine Strategie der Google-Gegner.
Die werden allerdings immer zahlreicher. Die Autoren-Plattformen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz lehnen den Vergleich ab und wollen größtmöglichen Widerstand leisten. Auch die EU-Kommission will sich einschalten. "Google ist kein Rechtspartner", sagt der Geschäftsführer der heimischen Interessengemeinschaft Autorinnen/Autoren, Gerhard Ruiss.
Gemeinsam gegen Google
Im ersten Schritt sollen jetzt alle Autoren ihre digitalen Rechte an die Verwertungsgesellschaften übertragen, damit diese dann gemeinsam in den USA auftreten können. "Der Zulauf zu diesem Weg ist groß", berichtet Elisabeth Bogensberger von Literar Mechana.Die Fronten sind verhärtet. Kulturpessimisten sehen in Google einen übermächtigen Buch-Monopolisten heraufdräuen, der die Verlagsbranche gleichsam auf dem elektronischen Stuhl hinrichtet und dann die Hegemonie über das gedruckte Wort übernimmt. Die stets freundlichen Buchsammler aus Mountain View in Kalifornien betonen dagegen ihre lauteren Absichten, nur zur Verbreitung von Wissen und zum besseren Verkauf von Büchern beitragen zu wollen. Es hat eben alles mehrere Seiten - so lange es gedruckte Bücher gibt.















