Im Kopf des Poeten
Winnetou, Varanasi, der Popocatepetl und ein Hubschrauber für Kärntner Politiker: Premiere des Josef-Winkler-Porträts "Der Kinoleinwandgeher".

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Auch gutes Timing kann einfach passieren. Nachdem sich die Fertigstellung des Josef Winkler Film-Porträts um einige Monate verzögert hat, erlebte es just zu Maria Himmelfahrt die Welturaufführung. Wie passend für den "Maria Empfängnis Neurotiker" aus Kamering, der seit seiner Klagenfurter Rede zur Eröffnung des Bachmann-Bewerbs im Juni geradezu Kultstatus genießt.
Rund 550 Besucher zählte Produzent Gerhard Lapan (focusfilm) am Samstag beim Open-Air-Kino im Klagenfurter Burghof. Das Programm der Filmpräsentation hatte der Schriftsteller, seit dem Vorjahr Staatspreisträger für Literatur und Büchner-Preisträger, selbst bestimmt: Es gab also zunächst eine Ladung Drafi Deutscher samt "Marmor, Stein und Eisen bricht", dann H. C. Artmann und eine kurze Winkler-Lesung, ehe mit dem Tod Winnetous "Der Kinoleinwandgeher" zum Leben erwachte. Nach der Filmpremiere erneuerte Josef Winkler in einem Gespräch auf offener Bühne seine Kritik an den Kärntner Verhältnissen. Dabei geriet er so in Fahrt, dass er an die Unzufriedenen appellierte "auf die Straße zu gehen" und den Kärntner Politikern riet, "einen Hubschrauber zu buchen". Nachsatz: "Es kommt bestimmt Besseres nach!"
Rückblende. 1979, als Josef Winkler beim Bachmann-Bewerb aus seinem Roman "Menschenkind" gelesen hatte, fand Juror Walter Jens: "Das war wie die Klage des Bauernbuben vom
Dach der Welt, dass kein Gott sei." In seinem Filmporträt schreibt Regisseur Michael Pfeifenberger diesen Befund in intensiv-farbigen Erinnerungsbildern und Assoziationen fort.
Dem Kreuz entkommt Winkler nicht. Szenen aus Mexiko, Indien und Kärnten mischen sich dynamisch und in rasanter Folge zu einem verstörenden Kosmos, aus dem Details hervortreten, die durchaus ironisches Potential haben, oft schonungslos genau sind oder einfach poetisch. Mit barocker Üppigkeit werden die zwei großen Winkler-Themen (Tod und Katholizismus) bearbeitet. Blüten, Früchte, Fruchtfleisch, dem Tod entgegen zuckendes Fleisch und kraftvolle Musik (Ulrich Drechsler, Martha Toledo, Tigres del Norte, Naked Lunch u. a.) sind die Trägerraketen des Films, in dem Winklers Sohn Kasimir den heranwachsenden Josef spielt, der in das katholische Korsett gepresst wird. "Du kannst echt nix als schreiben," wirft Kasimir seinem Schriftsteller-Vater gleich zu Beginn an den Kopf. Der Text, gesprochen von Peter Patzek, stammt folgerichtig aus Winklers Büchern.
Kräftiger Applaus jedenfalls im Burghof für den abendfüllenden Film (85 Minuten), der - entsprechend dem Wunsch des Autors - "kein Tanz ums goldene Kalb" geworden ist, sondern vielmehr "die Welt, die ich beschreibe, bebildert". Dass neben den Bildern die Literatur besteht, ist eine weitere Qualität, die "Der Kinoleinwandgeher" zu bieten hat.
Kompliment allen, die an dieses Projekt geglaubt und es durchgezogen haben.













