"Jeder wie er will und wie er selbst blind ist"
Peter Handke (66) macht Urlaub in Kärnten, übersetzt Euripides, hofft, dass Schulkinder nicht ins Haider-Museum getrieben werden und er mit seinen Texten Menschen erreicht.

Foto © Rosina Katz-Logar
Nach der Premiere von "Bis dass der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts" bei den Salzburger Festspielen (wir berichteten) urlaubt Peter Handke, 66, mit Tochter Amina in Kärnten. Die Kleine Zeitung traf ihn zum Exklusivinterview.
Sind Sie mit der Inszenierung Ihres jüngsten Stückes zufrieden?
PETER HANDKE: "Zufrieden" gehört nicht zu meinem Wortschatz, aber ich war relativ erleichtert. Ich fand es schön, dass die Frau, die ich ersonnen habe, nicht nur aus Sprache besteht, sondern dass die Sprache auch eine Gestalt erzeugt - den Menschen. Ich habe gesehen, dass dies gelungen ist. Insofern war ich erleichtert.
Ist "Storm Still", Ihr neues Werk über den Widerstand in Kärnten, fertig? Wo soll die Uraufführung stattfinden?
HANDKE: Es gibt es seit über sechs Monaten, ich muss es nur etwas lichten, wie man ein Gebüsch lichtet. Aber ich habe keine Vorstellung, wo und wie das jetzt weiter geht. Aber es ist ja kein aktuelles Stück, sondern ein Stück, das Dauerprobleme erzählt. Das Stück zeigt ewige Konflikte, Konflikte, die mit dem Zusammenleben von Menschen verbunden sind.
Könnten Sie sich Johann Kresnik, der dieser Tage mit einer Jura Soyfer-Hommage in Bleiburg international von sich Reden machte, als Regisseur vorstellen?
HANDKE: Internationale Erfolge hat man heute schnell, weil es so viele kleine Staaten gibt. Ich kenne Herrn Kresnik nicht und weiß nicht viel über ihn. Früher, als ich noch Zeitungen gelesen habe, habe ich viel über ihn gelesen. Aber ich lese kaum noch Zeitungen, außer wenn ich in Kärnten bin, dann lese ich natürlich pflichtbewusst ihre Kleine Zeitung. Die auflage geht aber meinetwegen nicht höher. Nein, mit Kresnik kann ich mir die Inszenierung nicht vorstellen.
Kann Literatur gegen den Zeitgeist antreten?
HANDKE: Ist mir total egal. Ich habe nie im Leben gegen etwas, sondern immer für etwas geschrieben. Ich schreibe höchstens gegen mich, wie Henrik Ibsen gesagt hat, ich halte Gericht über mich selber. Natürlich schreibe für die Leute. Ich kann mir ein Publikum nicht vorstellen, sondern immer nur einzelne Leute.
Ist Kärnten wirklich anders?
HANDKE: Es gibt ein Kärnten, das Leute wie Kiki Kogelnik, Christine Lavant, Peter Turrini, Gustav Janus und Florjan Lipus oder auch Engelbert Obernosterer verkörpern. Das andere Kärnten ist das bestimmende und es wird das ewige bleiben. In einem Jörg Haider-Museum in Kärnten wird Schund herumstehen, den aber jeder meiden kann. Solange man Schulkinder nicht verpflichtet, hinzugehen. Soll man das halt wie eine Renommierbude stehen lassen. Jeder wie er will und wie er selbst blind ist. So wie es Harley Davidson-Treffen gibt, gibt´s dann halt die Jörg Haider-Treffen, zu dem die Mountainbiker mit den braun gestreiften Trainingsanzügen kommen.
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