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Zuletzt aktualisiert: 14.08.2009 um 17:37 UhrKommentare

Holzklotz mit Saiten: Gitarrenlegende Les Paul tot

Der Pionier der E-Musik starb 94-jährig an Lungenentzündung.

Gitarrenlegende Les Paul

Foto © APAGitarrenlegende Les Paul

Die von ihm erfundene Gitarre hatte anfangs nur den Spitznamen "Holzklotz", aber sie machte den US-Musiker Les Paul weltberühmt. Künstler wie Eric Clapton und Pete Townshend waren von dem elektronischen Instrument begeistert. Bis heute gilt die "Gibson Les Paul" als eines der berühmtesten Modelle überhaupt. Am Donnerstag starb der legendäre Gitarrenvirtuose und Pionier der E-Musik an einer Lungenentzündung. Er wurde 94 Jahre alt.

"Kein Besenstiel mit Saiten"

"Wir bauen keinen Besenstiel mit Saiten", soll der Instrumentenbauer Gibson empört erwidert haben, als Les Paul Mitte der 40er Jahre erstmals seine Erfindung anbot. Der Korpus seiner Gitarre war zunächst ein schlichter Holzklotz, auf dem er Tonabnehmer, Steg und einen normalen Gitarrenhals anbrachte.

Seine Idee: Anders als bei den traditionellen Hohlraumgitarren sollte der Korpus nicht vibrieren, um bei der elektronischen Verstärkung gegen den Rückkopplungseffekt unempfindlich zu sein. Erst als Paul seinem "Klotz" Seitenteile anfügte und ein gitarrenähnliches Gebilde schuf, ließ die Firma Gibson sich überzeugen - 1952 kam schließlich die erste "Les Paul" auf den Markt.

"Wir verdanken ihm viele Erfindungen, die den heutigen Klang des Rock'n'Roll ausmachen. Er war der Gründungsvater der modernen Musik", erklärte B.B. King nach der Todesnachricht voller Respekt. Und Keith Richards lobte: "Les Paul war zusammen mit Leo Fender der wichtigste Entwickler der Elektrogitarre. Wir alle schulden seiner Arbeit und seinem Talent unvorstellbar viel."

Am 9. Juni 1915 unter dem Namen Lester William Polsfuss im ländlichen US-Staat Wisconsin geboren, spielte der Junge schon während der Schulzeit Banjo und Gitarre. Zugleich war er ein begeisterter Bastler, der Elektrogeräte zerlegte und wieder zusammensetzte. "Ich musste einfach bauen, es hinkriegen und perfekt machen", erzählte er später.

"It's Been a Long, Long Time"

In den 30er und 40er Jahren trat Les Paul (Spitzname: "Paula") mit zahlreichen Big Bands und Musikgrößen wie Bing Crosby, Nat King Cole und Frank Sinatra auf. Mit Crosby landete er 1945 den Nummer-Eins-Song "It's Been a Long, Long Time". Später brachte er mit seiner damaligen Frau, der Sängerin Mary Ford, Hits wie "How High the Moon", "The World Is Waiting for the Sunrise" und "Vaya Con Dios" heraus.

Autounfall beendete beinahe Karriere

1948 stand seine Karriere jäh vor dem Aus: Bei einem Autounfall in Oklahoma verletzte sich Paul schwer am rechten Ellbogen - der Arm drohte unbeweglich zu werden. Er gab dem Arzt die Anweisung, die Knochenstellung so zu richten, dass er weiter eine Gitarre halten könne. Dennoch brauchte es anderthalbe Jahre eisernen Übens, bis er wieder fit war. "Ich spiele mit den Fingern, die mir noch geblieben sind."

Im Laufe seiner langen Karriere erhielt "Paula" zahlreiche Ehrungen, darunter mehrere Grammys. 1988 wurde er in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen und kurz vor seinem 90. Geburtstag in die Nationale Erfinderhalle. Bis ins hohe Alter trat der an Arthritis leidende Gitarrist noch in Clubs und bei Konzerten auf. "Wenn ich mich den Leuten vorstelle, sind sie stets überrascht, dass ich keine Gitarre bin und auch nicht tot", scherzte er gern.

Les Paul starb am Donnerstag in White Plains im US-Bundesstaat New York. Er hinterlässt drei Söhne, eine Tochter, fünf Enkel und fünf Urenkel.


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