Volker Lechtenbrink wird 65
Entdeckt hat sich der Schauspieler selber - und zwar als Siebenjähriger.

Foto © APVolker Lechtenbrink (re) an der Seite seines Kollegen Claus Theo Gärtner (li)
"Ich habe im Radio immer die Kindersendungen gehört und wollte da mitmachen, also habe ich denen geschrieben", erzählt der Schauspieler, Sänger, Regisseur, Intendant, Synchronsprecher, Moderator - und nun auch Buchautor. Mit Erfolg - der Norddeutsche Rundfunk, damals noch NWDR, engagierte den Schüler für verschiedene Sprechrollen. Wenige Jahre später kam dann der Durchbruch: In Bernhard Wickis Antikriegsepos "Die Brücke" (1959) spielte der damals 15-Jährige seine erste Filmrolle, am Hamburger Schauspielhaus und dem Thalia Theater hatte er da längst auf der Bühne gestanden. Am 18. August wird Lechtenbrink 65 Jahre alt.
Werdegang
"Es kam irgendwie immer eins zum anderen", sagt Lechtenbrink im Rückblick. Nach dem Erfolg mit "Die Brücke" ging er wenig später, ein Jahr nach der mittleren Reife, vom Gymnasium ab, absolvierte seine Schauspielausbildung an der Hamburger Staatlichen Hochschule für Bildende Künste und dem privaten Hamburger Schauspielstudio Hildburg Freese.
"Damals gab es noch richtige Theateragenten. Die haben die Schauspieler dahin verschoben, wo sie meinten, sie würden zum Haus und zum Regisseur passen", erinnert sich Lechtenbrink. Station machte er in Hannover, Köln, Berlin, München und immer wieder Hamburg, wo er nach seiner Flucht aus dem ostpreußischen Cranz über Bremen aufgewachsen war und noch heute lebt. Zwischendurch spielte er in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien mit. In den 70er Jahren entdeckte er sein Faible für die Musik und veröffentlichte 1976 seine erste und gleich erfolgreiche Platte "Die Macher". Längst in der Musikszene etabliert und nach zwölf Langspielplatten, verabschiedete er sich 1989 wieder aus dem Musikgeschäft. Zwischendurch hatte er auch noch drei Musiksendungen moderiert.
Dem Theater und auch dem Fernsehen blieb er während all dieser Ausflüge immer treu. Mehrfach bei den Bad Hersfelder Festspielen als Schauspieler ausgezeichnet, übernahm er 1995 die Intendanz, wo er die Auslastung stetig steigerte. Doch dann überwarf er sich mit dem neu gewählten Bürgermeister und verkündet noch 1996 seinen Abschied. Ein zweites Mal übernahm er 2004 die Leitung eines Hauses und zwar des Ernst-Deutsch-Theaters in Hamburg. Auch dort blieb er nicht wie geplant fünf Jahre. "Ich hatte das Isabella Vértes-Schütter zu Liebe übernommen, die eine Auszeit machen wollte, und da kam sie einfach früher zurück." Recht war ihm das allemal. "Das ganze Organisatorische liegt mir nicht so."
Da schon lieber schauspielern, wie gerade erst für die zu Ende gegangenen Dreharbeiten zu einem "Inga Lindström"-ZDF-Film in Schweden oder bei den Proben an den Hamburger Kammerspielen zu "Frost/Nixon", in dem Lechtenbrink den ehemaligen US-Präsidenten spielt. "Natürlich sind das immer Wechselbäder, aber wenn etwas schön war, wie jetzt in Schweden, dann ist das fast wie Ferien - auch wenn's harte Arbeit war."
Harte Arbeit ist für ihn auch das Textlernen. "Da soll mir keiner erzählen, dass das Spaß macht. Das ist wie Schulaufgaben", sagt er. Doch inzwischen habe er eine gewisse Routine. "Und es klappt auch noch ganz gut", sagt er - lässig in Longarm-Shirt und Jeans gekleidet, kokettiert er ein wenig mit seinem Alter. Doch auch da schätze er die Abwechselung: "Fürs Fernsehen lernst Du nur fürs Kurzzeitgedächtnis, für die Theaterrollen immer für das Langzeitgedächtnis, weil man die Stücke ja immer mal wieder spielt." Wie etwa im Herbst die "Geisterkomödie" in München, mit der er anschließend auf Tournee geht.
Zudem hat er kürzlich erst dem "Sandmännchen" im ersten Spielfilm seine markant-sonore Stimme geliehen und sein erstes Buch geschrieben. "Es ist eine Mischung aus Autobiografie, Erinnerungen und philosophischen Betrachtungen", erklärt er. Zur Leipziger Buchmesse im Frühjahr soll es erscheinen. Und was die Fernsehrollen anbetrifft, das lässt er auf sich zukommen - wie damals, als er in der ZDF-Serie "Metro - Die Tropencops" einen Professor spielte. "Das hätte meiner Mutter gefallen, die wollte nämlich immer, das ich Arzt werde."















