Variationen über das Thema Eros
Gemeinsam mit den Inszenierungen des "Figaro" und des "Don Giovanni" formt Claus Guth die drei Mozart-Opern zu einem Zyklus über die Liebe.

Foto © APA/ORFCosi fan Tutte
Wie in "Figaros Hochzeit" beherrscht eine große Stiege auch die kühle, schicke, sehr heutige Designer-Wohnung der Schwestern Fiordiligi und Dorabella, in die im zweiten Akt der Wald aus dem "Don Giovanni" hineinwuchert. Bühnenbildner Christian Schmidt verweist mit seiner Dekoration für "Cosi fan tutte" deutlich auf seine beiden früheren Beiträge zum Salzburger Zyklus der da-Ponte-Opern Mozarts, der 2011 als Trilogie zu sehen sein wird.
Im Heimkino ist das schon jetzt möglich: ORF 2 zeigt am 9. August um 9.30 Uhr den "Don Giovanni", 3sat am 15. August um 20.15 Uhr "Cosi fan tutte" und ORF 2 am 16. August um 9.05 Uhr "Le nozze di Figaro".
Dicht gewebter Zyklus
Auch Regisseur Claus Guth knüpft an seine Salzburger Mozart-Inszenierungen an, um sie zum dicht gewebten Zyklus zu formen, zu sehr ernsthaften, kaum vordergründige Komik bedienenden Variationen über das unerschöpfliche Thema Eros. Wer "Figaros Hochzeit" gesehen hat, erkennt rasch, dass der dort vom Regisseur ersonnene Eros-Engel mit Don Alfonso fortgeführt wird. Dessen bisweilen direkt übernommene Bewegungen müssen aber all jene befremden, denen dieser Bezug fehlt.
Dieser Don Alfonso, der die leicht besäuselten Freunde Ferrando und Guglielmo zur Treueprobe verleitet, erhält bei Guth neue Züge. Der durch seine Lebenserfahrung zum Zynismus neigende Philosoph gleicht einem gefallenen Engel, der seine Macht noch nicht verloren hat und mit allerlei Zaubertricks aufzuwarten weiß. Um diese übermenschliche Verkörperung des Zweifels nicht als billigen Science-fiction-Magier auftreten lassen zu müssen, vermengt der Regisseur reale und surreale Elemente, inszeniert er einen Albtraum, in dem Logik aufgehoben ist. Das Erwachen daraus fällt für alle Beteiligten sehr bitter aus.
Wie er sich dennoch müht, der Verkleidung der Liebhaber lange szenische Plausibilität zu verleihen, indem er Masken, Augenbinden und völlig verschmierte Gesichter ins Spiel bringt, stellt seiner handwerklichen Virtuosität ein glänzendes Zeugnis aus.
Dass er aber nicht nur Secco-Rezitative, sondern auch Teile des zweiten Finales streichen lässt, die nicht in sein Regiekonzept passen, das den Chor der Wiener Staatsoper ins Off verbannt, stellt zumal in der Mozartstadt ein Ärgernis dar.
Dirigent Adam Fischer, der diese musikalisch fragwürdigen Entscheidungen mitträgt, musiziert fließend und kultiviert, entlockt den Wiener Philharmonikern erlesene instrumentale Details und feinste Klangschattierungen, dringt aber nur selten unter die fein polierte Oberfläche.
Features
Cosi fan Tutte
Aufführungen im Haus für Mozart in Salzburg: 3., 7., 11., 15., 17., 21., 23. und 26. August.
Karten: Tel. (06 62) 8045 500.
www.salzburgerfestspiele.at
Fernsehausstrahlung: 15. August, 20.15 Uhr, 3sat.















