Winkler-Film: Autor mit Filmkamerakopf
Seine Klagenfurter Rede machte Josef Winkler über den Kreis der Literaturfreunde hinaus populär. In Kürze lernt man den Autor als "Kinoleinwandgeher" kennen.

Foto © Focus FilmJosef Winkler fand während der Dreharbeiten in Mexiko "Parallelen zu Indien"
Derzeit feilen Regisseur Michael Pfeifenberger und Produzent Gerhard Lapan (Klagenfurter focus-film) noch an ein paar wichtigen Sekunden, am 15. August erlebt "Der Kinoleinwandgeher" im Burghof Klagenfurt seine Uraufführung.
Sie wollten ursprünglich Josef Winklers Novelle "Natura morta" verfilmen, dann wurde es ein Autoren-Porträt. Wie lief das?
MICHAEL PFEIFENBERGER: Eigentlich sehr produktiv. Es gab natürlich ein Konzept, eine Art loses Drehbuch, aber großteils ist der Film beim Dreh entstanden. Auch aus der Lust und der Laune von Josef Winkler heraus.
GERHARD LAPAN: Das ist soweit gegangen, dass wir - was nicht im Drehbuch gestanden ist - nach Indien gefahren sind. Das wollte Josef Winkler zuerst nicht, weil er gemeint hat, Vergangenes legen wir weg, wir schauen in die Zukunft. Und in Mexiko sah er eine Parallele nach der anderen, wir mussten unbedingt nach Indien. Von der Kalkulation her war das natürlich hart.
Wie ging das dann mit der Finanzierung?
PFEIFENBERGER: Mit einem Produzenten, der dieses Risiko mitträgt.
LAPAN: Indien ist in keiner Kalkulation enthalten. Das hat die focus-film gezahlt, auf dass der Film besser wird. Er wird dem Josef gerechter. Da ist er dann auch selbst draufgekommen. Wir wollten ja wegen seiner Literatur immer nach Indien...
PFEIFENBERGER: Aber wir haben auch den Besuch am Grab von Jean Genet gestanzt. Und Marokko und Frankreich.
Wie entstand der Titel "Der Kinoleinwandgeher"?
PFEIFENBERGER: Ursprünglich hieß er ja der "Leinwandgeher". Josef Winkler fand aber, das wäre leicht mit der Leinwand des Malers zu verwechseln. Es ist eine schöne Metapher, weil er ja ein leidenschaftlicher Kinogeher ist. So ist das dann die dramaturgisch filmische Klammer geworden.
LAPAN: Winkler sagt ja auch, er habe einen Filmkamerakopf und damit nehme er Bilder auf.
In Mexiko fand Winkler, Indien müsse her. Gab es öfter Situationen, in denen Sie das Konzept über den Haufen werfen mussten?
PFEIFENBERGER: Nun das ist bei jedem Dreh so. Aber es war schön, Josef Winkler von einer satirischen, komödiantischen Seite kennen zu lernen.
LAPAN: Bevor ich mit Josef Winkler gearbeitet habe, hieß es, er sei ein komplizierter Mensch, der keine Kamera in seine Nähe lässt. Das war auch so. Mit meinem Assistenten bin ich eine Dreiviertelstunde im Auto gesessen, ehe wir in die Wohnung durften. Ohne Kamera, nur zum Kennenlernen und Tee trinken. Weil ich die indischen Kekse gekannt habe, war das Eis gebrochen. Ich habe mit Winkler nie Probleme gehabt.
PFEIFENBERGER: Ja, die Reise war abwechslungsreich und lustig. Kasimir, Winklers Sohn, der den jungen Winkler spielt, war eine große Bereicherung.
Im Film kommen Monstranzen und Kreuze vor...
LAPAN: Wo wohl die Monstranz herkommt! Aus keiner Kirche. Die haben wir bei einem Sammler ausgeborgt, wie das Kreuz und die Oblatenbäckerei.
PFEIFENBERGER: In Österreich ist es nicht üblich, Devotionalien auszuleihen. Verständlich, man hat Angst, dass es entweiht werden könnte. In Mexiko...
LAPAN: ...geht man in ein Geschäft und kauft sich eine Monstranz. Da kriegt man alles.
Features
Zum Film
Der Kinoleinwandgeher. Literarisches Roadmovie mit Einblick in das Schreiben und denken des Schriftstellers Josef Winkler.
Uraufführung: 15. August, 21 Uhr, Burghof Klagenfurt.













