Milva wird 70 und feiert in Reichenau
Im eigenen Land immer weniger beachtet, feiert die Sängerin mit der roten Haarmähne seit eh und je ihre größten Erfolge im Ausland.

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"Milva, la Rossa" - Milva, die Rote - nennt sich sie sich selbst auf ihrer offiziellen Webseite. Vor allem im deutschsprachigen Raum erfreut sich die italienische Diva, Chansonette und Schauspielerin auch heute noch großer Beliebtheit. Nicht umsonst hat sie einmal gesagt: "Deutsch ist mittlerweile meine zweite Muttersprache geworden, obwohl ich es nicht beherrsche." Am 17. Juli wird Milva, die im norditalienischen Örtchen Goro bei Ferrara geboren wurde, 70 Jahre alt - und dabei in Reichenau auf der Bühne stehen.
Das niederösterreichische Theaterfestival landete mit Milva als rachsüchtiger Multimilliardärin Claire Zachanassian in Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame" einen großen Coup. Da die deutschen Sprachkenntnisse der Diva begrenzt sind, lernte sie ihren Text rein phonetisch, was ihrer Ausstrahlung eine ans Unheimliche reichende Künstlichkeit und Starre verleiht und die unüberbrückbare emotionale Ferne der Milliardärin zu ihrem ehemaligen Heimatort verdeutlicht. Tatsächlich wirkt auch Milva in Reichenau wie von einem anderen Planeten, die Vorführungen bis 5. August sind alle längst ausverkauft.
Milva, seit einem Jahr Ritterin der französischen Ehrenlegion und erst kürzlich sowohl in Italien als auch in Deutschland mit dem Verdienstkreuz I. Klasse geehrt, verkörpert alles, was italienische Schönheit, Sinnlichkeit und Ausstrahlung ausmacht. Und ein Blick auf sie reicht noch heute, um zu spüren: Diese Frau hat Temperament. "Ich weiß, was ich will. Ich geb' nicht gern nach. Ich leg' mich nicht fest", heißt es in einem von ihren Schlagern. Und damit hat sie eigentlich schon das Motto ihrer musikalisch so vielfältigen Karriere umschrieben. Denn festlegen wollte Milva sich tatsächlich nie.
Die Tochter eines Fischhändlers und einer Schneiderin, die bürgerlich Maria Ilva Biolcati heißt, tingelte zunächst durch die heimischen Nachtclubs, bevor sie bei einem Schlagerwettbewerb des staatlichen italienischen Fernsehens RAI ein Stipendium für eine Gesangs- und Schauspielausbildung gewann. 1960 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag. Seitdem hat Milva zahlreiche Alben veröffentlicht und Gastspiele in vielen europäischen Metropolen gegeben - von der Mailänder Scala, über das Pariser Olympia-Theater bis zum Almeida Theatre in London. Tourneen führten sie unter anderem nach Japan, Moskau und Südamerika.
Anfang der 70er Jahre entdeckte sie ihre Liebe zu Bertolt Brecht, sang an Giorgio Strehlers Mailänder "Teatro Piccolo" die Seeräuberjenny in der "Dreigroschenoper" und an der Deutschen Oper in Berlin in "Die sieben Todsünden der Kleinbürger". Gleichzeitig wartete sie immer wieder mit gelungenen Interpretationen von Edith-Piaf-Chansons und Zarah-Leander-Stücken auf, gab Opern-Gastspiele ("Tosca", "Peter Pan") und widmete sich mit Hilfe von Astor Piazzolla dem argentinischen Tango, der zu einem ihrer Steckenpferde werden sollte. Ihr Millionenpublikum eroberte sie sich jedoch vor allem mit anspruchsvollen Schlagern wie "Freiheit in meiner Sprache" oder "Stark sein".
Viele Rollen
Neben ihrer vielfältigen Gesangskarriere machte sie sich auch als Filmschauspielerin durchaus einen Namen. So drehte sie etwa mit internationalen Stars wie Silvana Mangano, Annie Girardot, Otto Sander und Juliette Binoche. Ihre große Liebe blieben jedoch letztlich die Texte Brechts, mit denen sie weltweit ihre größten Erfolge feierte. 1996 brachte sie das Album "Milva singt einen neuen Brecht" heraus und bewies aufs Neue ihre viel gelobte "atemberaubende Virtuosität".
Trotz allen Glanzes ihrer Auftritte und Tourneen ist Milva das Glück im Privaten weniger hold als auf der Bühne. Ihre einzige Ehe hielt nur zehn Jahre, andere Partner verließen sie, einer beging Selbstmord. Vielleicht auch deswegen kann sie ohne Publikum nicht sein. Schon mehrfach kündigte sie ihren Abschied von den Bühnen der Welt an. Immer wieder fiel sie in tiefe Depression, um sich am Ende für ein Comeback zu entscheiden. Doch getreu dem Motto "Ich weiß, was ich will" überlebte "la Pantera Rossa" (der rote Panther) all die privaten Miseren mit stets neuem Elan.













