40. Carinthischer Sommer in Ossiach eröffnet
Mit der Kirchenoper "Passion und Auferstehung" von Jonathan Harvey in der Stiftskirche Ossiach begann der "Carinthische Sommer".

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Du sollst nicht töten!" - Brutal wird die, aus großen, grünen Würfeln bestehende Mauer, auf der in riesigen Buchstaben das fünfte Gebot prangt, von den Schergen des Hohenpriesters zu groben Klängen des tiefen Blechs niedergetreten, bevor Jesus niedergerungen und arretiert wird: Nicht der einzige packende und symbolhafte Moment aus Jonathan Harveys erster Oper "Passion und Auferstehung" (1981). Auch die Auftritte des Pilatus vor blutrotem Hintergrund verschaffen siedende Spannung. Nicht zuletzt wegen des expressiven und höhensicheren Gesangs (bis zum Cis) und der fesselnd präsenten Darstellung des gebürtigen Villachers Alexander Kaimbacher, Mitglied der Wiener Staatsoper. Sein Ringen um Entscheidung, sein Schwanken zwischen Brutalität und Mitleid, seine psychotischen Zustände faszinieren.
Einfache Mittel
Paul Flieder hat die Leidensgeschichte und Auferstehung Jesu (Günter Haumer singt ihn mit warmtimbrierten Bariton, agiert manchmal etwas zu pathetisch) nach dem Libretto von Michael Wadsworth, das auf mittelalterlichen Texten der Benediktiner beruht, mit einfachen Mitteln (Ausstattung: Gabriele Attl) im kleinen Altarraum der Stiftskirche Ossiach drastisch bis berührend, symbolhaft, manchmal zu plakativ und mit zu sparsamer Personenführung in Szene gesetzt: Würfel formen Räume, fungieren als Säulen und Kreuz. Judas (intensiv: Yevgen Gembik) wird als ständiger, immer mehr schuldhaft leidender Beobachtender stark in den Mittelpunkt gestellt.
Gesungen wird in dieser deutschsprachigen Erstaufführung (in der einfühlsamen Übersetzung vom Petra Haiderer und Thomas Daniel Schlee) enorm wortdeutlich: So wie auch von Elena Copons als Maria Magdalena mit großen dramatischen Ausbrüchen und vom fabelhaft tonreinen Arnold Schönberg Chor, dessen Mitglieder auch solistisch in den vielen, kleineren Rollen auftreten und in, ein bisschen an ein Krippenspiel erinnernde Kostüme (Mirjana Mauric) gesteckt sind.
Reich an Farben, wie die Regenbogenaureole des Isenheimer Altars, die die Originalpartitur ziert, reich an Harmonien, Glocken- und Obertönen ist die erlauscht wirkende Musik von Jonathan Harvey, des diesjährigen "composer in residence". Neben Dodekaphonie vermischt mit alten Hymnen schweben stimmungsvolle Klangmalereien, ganze Klangflächen, aber auch einfache, klare Töne der Gregorianik im Kirchenraum.
In verschiedenen Stilen werden jeder Figur eigene Klänge und Töne zugewiesen, wie ein Heiligenschein der die Person umgibt. Das erzeugt eine starke meditative und dramatische Atmosphäre, vor allem in den Zwischenspielen (insbesondere bei der Kreuzigung). Dazu trägt die exzellente, subtil und präzise agierende Camerata Salzburg unter Erwin Ortner bei, der auch bei drei Liedern für den Gemeindegesang, der hauptsächlich von dem im Kirchenraum verteilten Chor getragen wird, die Orgel und das Publikum dirigiert. Als zum Finale die Mauer wieder errichtet wird, auf der nun der Beginn von Paul Celans dunkler Todesfuge (1945) notiert ist, hat sich der Kreis nach 90 Minuten symbolisch geschlossen.













